Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Locomotivbau — Leipzig, 1875

Page: 41
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II. Die widerstehenden und bewegenden Arbeiten etc.

41 .

2) f Pds=f W ds.
d. h. im Beharrungszustande, wo die Triebradumdrehungen der Locomotive in
gleichen Zeiten erfolgen, ist die bewegende Arbeit einer Locomotive immer gleich der
widerstehenden Arbeit.
Der Beharrungszustand findet bei Eisenbahnzügen sehr selten oder eigentlich
fast nie statt, ist sonach nur ein idealer Zustand, weil einestheils die Widerstände
sich fast fortwährend ändern und anderenteils auch die bewegende Kraft, resp. die
Dampferzeugung nicht immer dieselbe ist.
Man braucht aber diesen Beharrungszustand oder setzt denselben vielmehr
voraus, um die Dimensionen einer Locomotive bestimmen zu können.
Aendert sich bei der Bewegung eines Zuges z. B. plötzlich der Widerstand, so
tritt die in Gleichung 1) enthaltene Grösse: (' [M-\-m) v dv, welche die im Zuge ent-
haltene lebendige Kraft repräsentirt, gleichsam wie ein Schwungrad in Wirksamkeit
und veranlasst, dass die Aenderung der Geschwindigkeit des Zuges eine allmäh-
liche wird.
Man ist sogar im Stande, kürzere stärkere Steigungen dadurch zu überwinden,
dass man eine grosse Menge lebendiger Kraft im Zuge aufspeichert und dieselbe bei
der Ueberwindung der Steigung als Hülfs-Zugkraft verbraucht.
Die bei der Bewegung eines Zuges erzeugte lebendige Kraft kann nur wie-
der gewonnen werden, wenn die Bremsen nicht benutzt werden, was aber selten zu
ermöglichen ist. Es ist daher für den Nutzeffect der Locomotiven vortheilhaft, die
im Zuge befindlichen Bremsen möglichst wenig zu gebrauchen.
Man sieht aus Gleichung 1), dass das Glied f' [Mm) v dv von wesentlichem
Einflüsse auf die linke Seite der Gleichung 1) sein kann.
Es ist dieses z. B. der Fall beim Anfahren der Züge, wo immer ein bedeu-
tender Ueberschuss an Zugkraft vorhanden sein muss, um eine entsprechende Ueber-
windung des Beharrungsvermögens zu veranlassen, resp. dem Zuge in einer gewissen
Zeit die durch die vorgeschriebene Fahrzeit bedingte Geschwindigkeit mitzutheilen.
Die Grösse f (.M + m v dv kommt namentlich bei Anfahren der Schnellzüge
sehr zur Wirkung, da in diesem Falle einer bedeutenden Masse in verhältnissmässig
kurzer Zeit eine sein- grosse Geschwindigkeit ertheilt werden muss.
Eine genaue Bestimmung sowohl der widerstehenden, als auch der bewegenden
Arbeiten bei Fortschaffung von Eisenbahnzügen auf theoretischem Wege gehört zu den
Unmöglichkeiten und kann man dieselben nur durch Versuche ermitteln.
Dieses letztere Verfahren ist aber auch mit grossen Schwierigkeiten verbunden,
da, wie aus Gleichung I) ersichtlich, der Einfluss des zweiten Gliedes der rechten
Seite gleichzeitig genaue Kraft-, Zeit- und Wege-Bestimmungen erforderlich macht.
§ 2. Allgemeines über die widerstehenden Arbeiten bei der Bewegung
eines Eisenbalmzuges. — Wenn ein aus einer beliebigen Anzahl von Eisenbahn-
wagen bestehender Zug mit grösserer oder geringerer Geschwindigkeit auf einer Eisen-
bahn fortgeschafft wird, so muss dazu eine bestimmte Kraft- resp. Arbeitsmenge ver-
wendet werden, welche die verschiedenen, sich der Bewegung entgegensetzenden
Widerstände zu überwinden hat.
Diese von dem betreffenden Motor geleistete, resp. von dem Dampfe der Loco-
motive ausgeübte mechanische Arbeit wird absorbirt:
1) durch den Luftwiderstand;
2) durch Ueberwindung der Schwerkraft (bei Steigungen);
3) durch bleibende Formänderungen (am Oberbau und den Fahrzeugen).
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