Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Locomotivbau — Leipzig, 1875

Page: 206
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IV. Capitol.

Die Construction der Locomotivkessel

Bearbeitet von
W. Hassen,
Ingenieur in 8t. Petersburg (früher Oberrnaschinenmeister der Warschau-Wiener und Warsohau-Rromberger
Eisenbahnen),
und
Heusinger von Wahl egg,
Oberingenieur in Hannover.
(Hierzu Tafel 111—X.)



§ 1. Einleitung. — Geschichtliches. Wenn auch iu dem letzten Capitel
dieses Bandes die Geschichte der Locomotivmaschine ausführlich behandelt, werden
soll, so kann doch wohl hier, wo wir uns ganz speciell mit der Kesselconstruction
beschäftigen, eine kurze geschichtliche Uebersicht über die Entstehung, Fortbildung
und Vervollkommnung dieses wichtigsten Theiles der Locomotive den rechten Ort linden.
ln der ersten Hälfte des Jahres 1814 baute Georg Stephenson für die
Kohlenbalm der Killingworth Bergwerke eine Locomotive mit einem cylindrischen
Kessel von 2m,44 Länge und l1T,,47 Weite, welcher ein Feuerrohr von 0ra,507 Durch-
messer enthielt.
Im Jahre 1820 baute Stephenson ferner für diese Bahn Locomotiven von
gleicher Kesselconstruction, bei welchen das Feuerrohr 0m,05 über dem Boden des
Kessels lag und vorn in den Schornstein mündete. Am anderen Ende jedoch befand
sich in dem Rohre unter der mittleren Ebene desselben ein ca. lm,22 langer Rost,
dessen hinteres Ende auf einer kleinen Brücke von Ziegelstein, welche den Raum
unter dem Roste nach hinten verschloss, ruhte. Die Enden des cylindrischen Kessels
waren durch Kugelabschnitte gebildet.
Robert Stephenson, Sohn Georgs lieferte 1828 eine Locomotive für die
Bolton-Eisenbahn, die den Uebergang zu den später auf der Liverpool-Manchester
Eisenbahn angewandten Maschinen bildet, die Kesselconstruction war der Form nach
dieselbe. Der 2ra,67 lange und 1111,372 weite cylindrische Kessel hatte jedoch, statt
der früheren gewölbten, nun ebene Endflächen, welche durch zwei 0m,507 weite Feuer-
rohre, mit Innenfeuerung versehen und in den gemeinschaftlichen Schornstein aus-
mündend, verbunden waren.
Zu dieser Zeit Hess Seguin, Director der Eisenbahn von St. Etienne nach
Lyon, eine englische Locomotive nach Frankreich kommen und erkannte, nachdem
mannigfache Versuche angestellt und Beobachtungen gemacht worden, dass die rasche
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