Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Locomotivbau — Leipzig, 1875

Page: 402
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VIT. Capitel.

Ueber Dampfaufnahme, Dampfdome, Regulator-
vorrichtungen.

Bearbeitet von
C li. S t r i <* k,
Maschinen-Oberinspector der K. Sächsischen Staatsbahnen in Dresden.

(Hierzu die Tafeln XVII bis XIX.)

§ 1. Einleitung. — Der Dampf muss aus dem Locomotivrkessel, dessen Con-
struction wir im IV. Capitel dieses Bandes kennen gelernt haben, so entnommen wer-
den, dass er sich in möglichst trockenem Zustande, d. h. frei von mitgerissenen
Wassertheilen, befindet. Dieses Mitreissen von Wasser, was sieh in dem sogenannten
Spucken der Maschine äussert, ohne aber die- einzige Ursache desselben zu sein, hat
verschiedene wesentliche Nachtheile, von denen zunächst der Verlust an heissem
Wasser und, damit verbunden, ein Mehrverbrauch an Brennmaterial zu erwähnen ist.
Findet das Mitreissen von Wasser in bedeutendem Maasse statt, so sammelt
sich dasselbe in grösserer Menge in den Cylindern an, setzt den Kolben einen nicht
unbedeutenden Widerstand entgegen und hat, bei Mangel an Vorsicht seitens des
Führers, nicht selten eine Sprengung der Deckel, Anbrechen der Kurbelzapfen etc.
zur Folge.
Ferner bleiben bei leicht spuckenden Maschinen erfahrungsmässig die Cylinder
und namentlich die Schieberflächen weniger gut erhalten und es erleiden die Letzteren
oft Beschädigungen ganz eigenthümlicher Art.
Endlich ist das Beschmutzen der Maschine, der Wagen und des Personals eine
Unannehmlichkeit, die besonders dadurch lästig wird, dass die in unzähliger Menge
ausgeworfenen Wassertropfen durch die Vermischung mit dem Rauch verunreinigt sind.
Alle diese Erscheinungen sind von solcher Bedeutung, dass man der Art der
Dampfaufnahme von jeher eine ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet hat.
§ 2. Die Dampfaufnahme. — Während bei dem Stillstände der Locomotive die
Bildung neuen Dampfes entweder gar nicht oder nur in geringem Maasse vor sich
geht und demnach die Oberfläche des Wassers in ziemlich ruhigem Zustande sich be-
findet, tritt bei der Fortbewegung der Locomotive in Folge des Dampfabganges aus
dem Kessel plötzlich eine lebhafte Entwickelung neuen Dampfes ein, der in grösseren
oder kleineren Blasen massenhaft an die Oberfläche des Wassers tritt und auf seinem
Wege nach der Ausströmungsstelle eine Menge Wassertheilchen mit sich fort führt,
welche jedoch grösstentheils in Folge ihrer Schwere mehr oder weniger rasch in das
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