Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Locomotivbau — Leipzig, 1875

Page: 729
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XIII. Capitel.

Construction der beweglichen Radgestelle zum Durch-
laufen scharfer Curven. (Systeme von Norris, Bissei,
Vaessen, Nowotny etc.) Verschiebbare Achsen.

Bearbeitet von
Alplio 11s Petzlioldt,
Civilingenieur in Hannover.
(Hierzu Tafel XXXVII bis XXXIX.

§ 1. Vorbemerkungen. — Wir haben im X. Capitel die Zug- und
Stossvorrichtungen die Kupplungen) als diejenigen mechanischen Hülfsmittel ken-
nen gelernt, welche theils zur Verbindung der Fahrzeuge unter sich, also zur For-
mirung des Wagenzuges, theils zur elastischen Absteifung der einzelnen den Zug bil-

denden Fahrzeuge bestimmt sind.

Die Combination beider Vorrichtungen lässt uns

demnach den auf der Schienenstrasse dahinrollenden Wagenzug als eine Kette aus
lauter elastischen Gliedern erscheinen, worin die Entfernung der einzelnen Glieder
unter sich innerhalb gewisser Grenzen, d. h. dem Federspiele entsprechend, variabel
sich gestaltet. Dabei sichert die Elasticität dieser Vermittlungsvorrichtungen den ein-
zelnen Fahrzeugen eine gewisse Biegsamkeit und Unabhängigkeit in der Bewegung
in Bezug auf die benachbarten Glieder, trotz des Bestehens der soliden Verbindung
des Ganzen. Dass es gerade dieser Umstand ist, der für jede Curvenbefahrung von
grösster Bedeutung wird und namentlich bei den Uebergängen aus den Curven in die
Gerade und umgekehrt, ja dass dieser Umstand allein die thatsächliche Befahrung
der Curven mit »Zügen« überhaupt ermöglicht, bedarf keines Beweises, da bei Fahr-
zeugen mit steifen Achsen, die wir, als die gebräuchlichsten, hier zunächst im Auge
haben, der Eintritt in die Curven sowohl als der Austritt aus denselben nur durch
die Selbstständigkeit der einzelnen Glieder des Zuges bedingt wird, die ihnen trotz der
Verkupplung und Verbutterung gewahrt blieb; denn soll die Curve befahren werden,
so muss sich jedes Fahrzeug unabhängig in dieselbe einstellen können.
Das was hier vom ganzen Zuge entwickelt wurde, kann nun bekanntlich durch
eine weitergehende Gliederung der einzelnen Fahrzeuge in noch vollkommenerer Weise
fortgeführt werden, und in der That finden wir in der Anwendung der mobilen Rad-
gestelle, der sogenannten Wendeschemel, das Princip der Biegsamkeit weiter aus-
gedehnt, wodurch zugleich der Unabhängigkeit des Betriebsmittels von den Unvoll-
kommenheiten des Schienenweges ein Vorschub von weitgehender Bedeutung ge-
leistet wird.
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