Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Locomotivbau — Leipzig, 1875

Page: 783
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Bedeckte Führerstände, Communication mit dem Zug-
personal, Sand streu-Apparate, Kesselbekleidungen,
Aschenkasten, Locomotiv-Laternen und
Werkzeugkasten.
Bearbeitet von
II. Klinge,
Obermaschinenmeister der Berliner Nord-Eisenbahn zu Berlin.

(Hierzu die Tafeln XLlli bis XLV )

§ 1. Bedeckte Fahrerstände. — Wenn man sich der Locomotiven ans den
ersten Decennien ihrer Erscheinung auf den Eisenbahnen erinnert und daneben ihre
jüngeren Schwestern aus der Neuzeit betrachtet, wird man in ihrer äusseren Erschei-
nung mehrere auffallende Verschiedenheiten wahrnelnnen. Was zunächst dabei in
die Augen springt, ist ausser der gewaltig entwickelten Grösse und Mächtigkeit der
neueren Locomotiven das über dem Fahrerstand angebrachte Häuschen oder der be-
deckte Führerstand, womit dieselben sämmtlicli versehen sind, während die älteren
Locomotiven denselben nicht kannten.
Der Grund zu dieser Erscheinung liegt in den gänzlich veränderten Betriebs-
verhältnissen der Eisenbahnen.
Das milde Klima Englands, der Wiege der Eisenbahnen, forderte a priori nicht
zu einem geschützten Führerstande heraus, zumal die Führer dort anfangs aus der
Zahl der Handarbeiter genommen wurden, welche durch die Art ihrer Beschäftigung
an die Ungunst der Witterung gewöhnt und daher abgehärtet waren. Da die andern
Länder ihre ersten Locomotiven und Locomotivführer aus England erhielten, accep-
tirten sie selbstverständlich beide, wie sie waren, und mit ihnen auch die Ansicht,
dass der Locomotivführer um so zuverlässiger seinen Dienst verrichte, je unge-
schützter er bei Ausübung desselben sei.
Bei Einführung der Locomotive in unserem weniger milden Klima wurde es
von unseren Locomotivführern zwar unangenehm empfunden, dass er dem Wind und
Wetter, dem Sturzregen, sowie den eisigen Schneewehen auf der Maschine fast
schutzlos preisgegeben war, indessen nahm er dies Ungemach doch als conditio sine
qua non seines Berufes hin.
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