Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Locomotivbau — Leipzig, 1875

Page: 981
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XIX. Vierrädrige Maschinen, etc.

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aultretcn auf denen wir vierrädrige Maschinen in Betrieb finden, ja in einigen
Fällen ist diese Maschinencategorie sogar als Zwillingsmaschine mit Vortheil in Ver-
wendung gekommen (vergl. Cap. XVIII, § 13).
Hieraus folgt, dass man die zweiachsige Maschine in den mannigfaltigsten
Grössenverhältnissen zur Ausführung brachte, und sieb veranlasst sah, sie bald als
Tendermaschine zu construiren, bald mit Schlepptender zu versehen; oder auch —
unter Beibehaltung eines separaten Tenders — einen Theil des Wasservorrathes au!
ihr unterzubringen behufs partieller Vermehrung des Adhäsionsgewichtes. Letzteres
zeigen namentlich auch die von Krauss construirteri zweiachsigen Maschinen (auf
die wir weiter unten ausführlicher zurückkommen), welche immer, wenn auch
separate Tender führend, ein Wasserreservoir zwischen den Rahmen besitzen, wodurch
das Tendergewicht entsprechend herabgemindert, das Adhäsionsgewicht der Maschine
hingegen erhöht wird.
Auch zum Betrieb von Bergstrecken sind die zweiachsigen Locomotiven in
nicht wenigen Fällen als ein befriedigendes Auskunftsmittel mit Vortheil verwendet
worden; bald als Vorspannmaschine zur Unterstützung der Coursmaschine während
der Bergfahrt Tharand-Freiberg , bald als selbstständiges Betriebsmittel, bald —
wie schon erwähnt — als Doppellocomotive, indem man zwei Maschinen identischer
Construction — verkuppelt und mit den Feuerbüchsen gegen einander gewendet —
zum regelmässigen Betrieb der Bergstrecke anordnete (Genua-Turin .
Der beim zweiachsigen Motor zu erzielende geringe Radstand, welcher an sich
die anstandslose Befahrung engerer Curven gestattet, als es bei mehrachsigen Motoren
im Allgemeinen zulässig erscheint; die volle Adhäsion, oft noch begünstigt durch die
Construction als Tendermaschine in Verbindung mit dem geringen Eigengewicht im
vereinfachte Construction — das sind
sich zu Gunsten des zweiachsigen Betriebsmittels

zweiachsigen Locomotivc die

Verhältniss zur Zugkraft; die im Ganzen
und bleiben die Tugenden, die
jeder Zeit geltend machen lassen.
Es muss demnach in der vollen Adhäsion der
Basis ihrer richtigsten Verwendung erblickt werden; und es folgt hieraus zugleich,
dass ihre Benutzung in allen denjenigen Fällen, wo es nicht auf volle Adhäsion,
wohl aber auf eine Umsetzung der Kolbenkraft in bedeutende Geschwindigkeit an-
kommt, eine sehr beschränkte sein wird, es wenigstens sein sollte.
Das zweiachsige Fahrzeug gestattet a priori ferner die gleichmässige Verthei-
lung der Last auf beide Achsen, sowie die rationelle Durchführung der Auflagerung
des in den Federn hängenden Baues auf drei Punkten, sei es, dass die Kessel über
der Vorder- oder über der Hinterachse auf einer Querfeder oder auf einem Quer-
balancier mit mittlerem Stützpunkte ruhen. Praktisch wichtiger als alles Dieses ist
aber — wir betonen diesen Gegenstand ausdrücklich — die Einfachheit der ganzen
wie sie selbstverständlich bei keiner anderen Locomotivcategorie durch-
wenn nicht geradezu auf die ungekuppelten Maschinen zurückgegangen
die allerdings in constructiver Beziehung noch einfacher gebaut werden
das Beispiel Englands, namentlich die von Bury in Liverpool in den
Vierziger Jahren vielfach gebauten zweiachsigen Locomotiven zur Genüge belehrt hat.
Die interessanten Untersuchungen Weber’s haben darüber Aufklärung ver-
schafft, dass die Achsenbelastung dreiachsiger Fahrzeuge im Dienste sehr beträcht-
lichen Schwankungen unterliegt, und dass auch die zweiachsige Maschine von
ähnlichen Störungen nicht frei sein könne, lehrt schon die ihrem Laufe inne-
wohnende Eigentümlichkeit, welche — dem Totaleindrucke entsprechend — mit dem

Construction
führbar ist,
werden soll,
können, wie
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