Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahn-Wagenbau in seinem ganzen Umfange — Leipzig, 1874

Page: 262
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VII. Capitel.
Construction der Wagenbremsen.

Bearbeitet von
G e o r g Meyer,
Königl. Maschinenmeister der Oberschlesischen Eisenbahn zu ltatibor.
Hierzu Tafel XIII—XVII.)

§ 1. Allgemeines über die verseiliedenen Bremssysteme. — Das Bremsen
bei Eisenbahnfahrzeugen wird überall da nothwendig, wo es darauf ankommt, die
Geschwindigkeit eines Zuges zu reguliren, oder dieselbe rasch zu vernichten.
Das Bremsen muss sonach hauptsächlich geschehen auf starken Gefällen, wo,
selbst wenn der Dampf der Locomotive abgesperrt wird, der Zug dennoch eine be-
schleunigte Bewegung annehmen würde; ferner bei Ankunft der Züge auf den Stationen
und hier namentlich bei Personenzügen, welche bei der immer geringer werdenden
Fahrzeit, eine regelmässige, energische Anwendung der Bremsen bedingen; endlich
aber in allen Fällen, wo bei der ferneren Bewegung des Zuges eine Gefahr droht.
Die bei der Wahl einer Eisenbahnwagenbremse im Allgemeinen in Betracht
kommenden Hauptfactoren sind zunächst:
1. Die Erlangung der grösstmöglichen Betriebssicherheit und
2. die geringste Ausgabe für Anschaffungs-, Betriebs- und Unterhaltungs-
kosten.
Was zunächst die Betriebssicherheit anlangt, so ist klar, dass diejenige Bremse
den Vorzug verdient, welche bei eintretendem Erfordernisse sich am schnellsten und
sichersten in Gang setzen lässt und dabei gleichzeitig die grösstmöglichste Wirkung
ausübt.
Bei der Anwendung der Bremsen bei den Eisenbahnen war man zunächst auf
die Bedienung durch Menschenhand angewiesen, welche aber, was die rasche,
zuverlässige Ingangsetzung und regelmässige Wirksamkeit anlangt, sehr viel zu wünschen
übrig lässt.
Um diese Uebelstände theilweise zu beseitigen und wenigstens eine möglichst
regelmässige Bremswirkung zu erreichen, construirte man sogenannte schnellwir-
kende Bremsen, d. h. solche Bremsen, deren Ingangsetzung von menschlicher
Bedienung abhängt, deren Wirksamkeit dagegen aber durch andere Kräfte als: Federn,
Gegengewichte u. s. w. hervorgebracht wird.
Diese letztgenannten Bremsen entsprechen aber auch noch nicht den an einen
möglichst vollkommenen Bremsapparat gestellten Anforderungen, namentlich nicht in
Bezug auf die schnelle Wirksamkeit.
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