Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahn-Wagenbau in seinem ganzen Umfange — Leipzig, 1874

Page: 263
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VII. CONSTRUCTION DER WäGENBREMSEN.

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Bei irgend welchen Vorkommnissen, welche auf der Bahn sich ereignen und den
Stillstand des Zuges auf die möglichst kürzeste Distanz bedingen, hat die Erfahrung
vielfach gezeigt, dass manche Unglücksfälle wohl ganz vermieden oder doch auf ein
kleineres Maass beschränkt worden wären, wenn die Wirkung der Bremse sofort nach
Erforderniss eingetreten wäre;
Man construirte deshalb sogenannte selbstthätige Bremsen, d. b. solche
Bremsen, welche sofort, ganz unabhängig von menschlicher Bedienung, in Wirksamkeit
treten, sobald die Thätigkeit derselben nothwendig wird.
Man kann hiernach die Eisenbahnwagenbremsen in folgende Hauptabtheilungen
trennen:
I. Handbremsen;
II. Schnellwirkende Bremsen und
III. Seibstthätige Bremsen.
§ 2. Allgemeines über (len Widerstand, den die Bremsen ausüben müssen. —
Es sei im Folgenden:
Q = Gewicht eines Zuges excl. Maschine und Tender;
<j = Erdacceleration;
— die vorhandene Geschwindigkeit des Zuges pro Secunde;
v2 — die veränderte Geschwindigkeit des Zuges pro Secunde;
f — der Widerstandscoefficient für Eisenbahnwagen für gerade horizontale
Bahn;
P = der durch das Bremsen auszuübende Widerstand;
5 — der Weg des Widerstandes P.
Für eine horizontale Strecke ist alsdann:
1) Ps =—IQ»,
wenn die Geschwindigkeit des Zuges von v{ auf v2 vermindert werden soll.
Wenn v2 aber Null werden, d. h. der Zug anhalten soll, so ist:'
n Ps = i^vl*—fQs.
t7
Befindet sich der Zug auf einer Steigung so ist:
2) Ps — («i 2—v2 2) —/ Q s — -t- Q s ;
1/
oder für v 2 = 0:
•2a) Ps = l—vi‘> -f.Qs— l Qs .
2 ff h
Befindet sich der Zug dagegen auf einem Gefälle, so ist:
3) P s = i j (e, 2 - t>t 2) —/ Q s + i- Q S ;
oder für v 2 — 0:
•?») Ps = 4 — e,2 — / Q s + 4- Q s .
*(j h
Es ergiebt sich aus Gleichung 1, 2 und 3 zunächst, dass der von den Bremsen
bei einer constanten Grösse des Weges s auszuübende Widerstand direct mit der Zug-
belastung, dagegen aber mit dem Quadrate der Zuggeschwindigkeit wächst; ferner
ergiebt Gleichung 1, 2 und 3, dass der Bremswiderstand desto kleiner zu sein braucht,
je grösser der Eigenwiderstand des Zuges ist.
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