Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahn-Wagenbau in seinem ganzen Umfange — Leipzig, 1874

Page: 448
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/33-7057-2/0461
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
XI. Capitel.

Passagier-Gepäckwagen mit Dienst-Coupes, Werkzeug-
behältern, Hundeställen, Retiraden etc.

Bearbeitet von
J. Klövekom,
Maschinenmeister der k. preuss. Osthahn in Bromberg.

(Hierzu die Tafeln XXXIII bis XXXVI.)

§ 1. Zweck und allgemeiner Charakter der Eisenbahn-Gepäckwagen. —
Mit dem Uebergange des Personentransports von den Landstrassen auf die Eisenbahnen
musste auch bei diesen für die Fortschaffung des Reisegepäcks, welches die Passagiere
mit sich führen, gesorgt werden. Der bei den Posten bestehende Gebrauch, dass nur
Gepäcke bis zu einem bestimmten Gewichte in den Gepäckkasten resp. auf die Decke
der Postkutsche selbst geladen wurden, während man grössere Quantitäten in be-
sonderen Packwagen mitführte, ist gewissermaassen auf den Eisenbahnen in England
beibehalten, indem dort ein grosser Theil des Passagiergepäcks auf den Personen-
wagen transportirt wird, in denen sich die betreffenden Reisenden befinden, und nur
ein Theil in besondere Gepäckwagen geladen wird, es ist liier nur bei der Bestimmung,
auf welche von beiden Arten der Transport geschehen soll, nicht die Grösse der Collis
maassgebend, sondern dies hängt von dem Willen des Passagieres ab. In England
ist es nämlich Regel, dass sich die Verwaltung nicht um die Expedition des Gepäcks
kümmert, sondern der Passagier lässt seinen Koffer etc. auf die Decke des Wagens,
in welchem er fährt, legen, wo dieselben durch eine Leder- oder Segeltuchdecke
gegen die Witterung geschützt werden, und hat dann beim Verlassen des Zuges dafür
zu sorgen, dass sie abgeladen werden. Eine Garantie für richtige Beförderung findet
seitens der Verwaltung nicht statt, wenn nicht der Reisende es vorzieht, sein Gepäck
expediren zu lassen, in welchem Falle es in besonderen Wagen, den Gepäckwagen,
mitgeführt wird. Die Gepäckexpedition händigt in diesem Falle einen Schein über
den Empfang aus und sorgt für richtige Verladung und Entladung, wofür sie von dem
Besitzer eine kleine Vergütung erhebt.
Auf allen andern Bahnen findet nur die zweite Art des Gepäcktransportes statt.
Kleines, sogenanntes Handgepäck wird mit in die Personenwagen genommen.
Zum Transport von Gepäckstücken ist jeder bedeckte Güterwagen zu benutzen,
es ist dies auch im Anfänge des Eisenbahnwesens geschehen und geschieht ausnahms-
weise jetzt noch wohl, es haben sich aber im Laufe der Zeit die hierzu bestimmten
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list