Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahn-Wagenbau in seinem ganzen Umfange — Leipzig, 1874

Page: 535
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XIII. Capitol.

Offene Güterwagen, Kohlenwagen in Holz und Eisen,
Transportwagen für Cokes, Kalk, Flüssigkeiten, für
Fuhrwerke, Schienen, Bretter und für Grossvieh etc.

Bearbeitet von
A. S a m m a n n ,
Königlicher Obermaschinenmeister a. D.,
Director der Actien-Gesellschaft für Fabrikation von Eisenbahn-Material zu Görlitz a. I).

(Hierzu die Tafeln XL1I bis XLVII.)

§ 1. Einleitung. — Wenn man von dem heutigen Standpunkt der modernen
Eisenbahn, welche für die höhere Wohlfahrtsentwickelung der Staaten und Völker so
bedeutsam auftritt, auf ihre ursprüngliche Entwickelung zurückschliesst, so zeigt der
Eisenbahn-Wagenbau und vor allen Dingen der Bau offener Eisenbahnwagen die
älteste Geschichte und Entwickelung, und sowie keine von den Menschen geschaffene
Einrichtung mit einem Male die feste Gestalt eines practischen Systems erhält, sondern
solches nur auf der festen Grundlage der Wissenschaft und weiter auf dem Wege der
Erfahrung durch Benutzung der allseits gemachten Wahrnehmungen und Vervoll-
kommnungen nach und nach angestrebt werden kann, so geschah es, dass die Eisen-
bahngüterwagen, welche, wenn auch ursprünglich in rohester und bescheidenster
Form, den Beigen von allen heutigen Eisenbahnrequisiten eröffneten, sich langsam zu
dem Zwecke, zu welchem sie dienen mussten, ausbildeten und bis auf den heutigen
Tag noch steter Umwandlung unterworfen waren. Schon im 1 (3. Jahrhundert wurden
Wagen mit festen Achsen, d. h. mit Achsen, auf denen die Räder fest sassen und
die sich somit von den Strassenfuhrwerken unterschieden, erbaut, die Räder waren
jedoch ohne Spurkränze; seit der Erfindung der Radbahnen aber, d. h. seit der Er-
findung, die Räder der Fahrzeuge zur Vermeidung der Reibung bei Orts Veränderung
derselben durch Menschen oder Pferdekraft, auf Gleisen von Stein oder Holz laufen
zu lassen, war man im Stande, die schwächliche Construction der gewöhnlichen
Strassen wagen durchaus zu verlassen und Wagen zu erbauen, die bei geringer Zug-
kraft eine bedeutendere Tragfähigkeit als gewöhnliche Strassenfuhrwerke zuliessen.
Man erkannte bald, dass Steinbahnen wenig rentabel waren, und ging zur weitern
Ausbildung der Holzbahnen über, so dass man in der zweiten Hälfte des 17. Jahr-
hunderts bei der sich steigernden Massenbewegung von Kohlen und Schiefer in Eng-
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