Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Die Technik des Betriebes mit Signalwesen und Werkstätteneinrichtung — Leipzig, 1876

Page: 159
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V. Ausrüstung der Stations-Gebäude.

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Construction der Gebäude, da die Wandstärke der Umfassungen und die Lage des
Gebäudes zum Winde von grösster Bedeutung ist für Grösse und Beschatfenheit der
Heizfläche, und von ihnen es zum grossen Theile abbängt, welcher Heizapparat am
vortheilhaftesten zu verwenden ist.
Auf besondere VentilationsVorrichtungen für die Räume des Empfangs-Gebäudes
ist bei den meisten derselben bisher nicht Rücksicht genommen, da bei den meist
direct ins Freie mündenden Thüren der Warte- und Expeditions-Zimmer, die nament-
lich bei grosser Frequenz häufig geöffnet werden, sowie bei der dem Winde von allen
Seiten oft ausgesetzten Lage und dem meist kurzen Aufenthalt der Reisenden das Be-
dürfniss weniger auffallend als bei anderen Versammlungsorten vieler Menschen her-
vortritt, wennschon sie zu Zeiten, namentlich wenn sich in den Wartesälen niederer
Classen bei Regenwetter, an Markttagen, eine grosse Anzahl durchnässter Fahrgäste
auf hält, recht erwünscht wären.
. Grosse Stationen mit complicirtcn Grundrissen, bei denen die sonst möglichst
zu vermeidende Anlage von Oberlichtern nicht zu umgeben ist, im Gebäude selbst
enthaltende Abort-Anlagen, reiche Gasbeleuchtung, Diensträume, in denen ein zahl-
reiches Personal im Tag- und Nachtdienst beschäftigt ist, machen künstliche Venti-
lationsvorrichtungen erforderlich.
Auch auf die Ventilation der grossen, mit Glas gedeckten Hallen , namentlich
der Kopfstationen, wird Rücksicht zu nehmen sein, da beispielsweise in den Pariser
Bahnhöfen der Route nach Lyon und Strassburg in den Hallen direct über den Schie-
nen Temperaturen von 40—50°C. beobachtet worden sind, die in Verbindung mit
dem nicht abziehenden Rauch der Locomotiven für Reisende wie für Bedienstete den
Aufenthalt unerträglich machen dürften.
§2. Beschreibung der Heizungen. Eintheilung.) — Die verschiedenen
Heizapparate kann man in Einzelfeuerungen, bei denen jeder einzelne zu erwärmende
Raum mindestens eine Feuerstelle hat, und in Centralheizungen, bei denen von einer
Feuerstelle aus mehrere Räume erwärmt werden können, unterscheiden. Letztere ge-
währen in fast allen Fällen bedeutende Brennmaterial-Ersparniss gegenüber ersteren,
erfordern die Anlage, Reinigung und Unterhaltung einer geringeren Anzahl von Rauch-
rohren, und sind auch in der Unterhaltung meist billiger. Allerdings sind die An-
lagekosten für Centralheizungen meist höher, namentlich wenn die Anlage nicht bei
Aufstellung des Projectes mit berücksichtigt wird, indess werden sie bald durch ge-
ringere Betriebskosten gedeckt, sodass der überwiegende Vortheil auf ihrer Seite liegt.
Indess lassen mancherlei Umstände doch oft die Anlage von Einzelheizungen wählen
(vergl. Deutsche Bauzeitung 1870, p. 378). So spricht namentlich auf kleinen Sta-
tionen der Umstand für sie, dass ihre Bedienung leicht nebenher durch das so wie so
nöthige Dienstpersonal in dessen Musezeit besorgt werden kann, während eine Cen-
tralheizung einen Heizer erfordert, der indess auch nicht fortwährend beansprucht ist.
Auch die Unregelmässigkeit oder kurze Zeit der Benutzung einzelner Räume
stellt sich manchmal der Anlage der Centralheizungen entgegen, die hauptsächlich
für eine regelmässige, länger andauernde Wärmemittheilung dienen. Einzelne Ver-
waltungen machen auch die Beheizung der Warteräume dem Pächter der Restaura-
tion im Pachtcontract zur Pflicht, und empfiehlt sich dann die altgewohnte Heizme-
thode mit Einzelfeuerungen.
$ 3. Das Camin. — Von allen üblichen Heizeinrichtungen die einfachste ist
das Caminfeuer und allein ohne Unterstützung durch andere Heizapparate für Balm-
hofsräume nur in einem milden Klima nutzbar, wo es auch vielfach (z. B. in kleinen
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