Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Die Technik des Betriebes mit Signalwesen und Werkstätteneinrichtung — Leipzig, 1876

Page: 201
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VH. Capitel.

Einrichtung der Reparatur-Werkstätten im Allgemeinen
und der Schmieden insbesondere.
Bearbeitet von
T li e o (1 o r B ii t e,
Obermaschinenmeister der Main-Weserbahn zu Cassel.
(Hierzu die Tafeln X bis XVI.)

I. Einrichtung der Reparatur-Werkstätten im Allgemeinen.
§ 1. Allgemeines. — Die zum Betriebe der Eisenbahnen erforderlichen Fahr-
zeuge und mechanischen Einrichtungen sind der Abnutzung und Zerstörung unter-
worfen, weshalb es nothwendig ist, die Wiederherstellung derselben periodisch vor-
nehmen zu lassen. Auch müssen die Fahrzeuge behufs Feststellung der Mängel von
Zeit zu Zeit Revisionen unterworfen werden.
Die Eigenthümlichkeit der dabei auszuführenden Arbeiten erschwert sowohl die
genauere Abschätzung der Kosten als die Controle über die gute Ausführung, auch
ist den Bahnverwaltungen dabei eine gewisse Unabhängigkeit nothwendig, weshalb
dieselben es ihrem Interesse entsprechend gefunden haben, diese Arbeiten nicht auf
dem gewöhnlichen Wege an Fabrikanten zu vergeben, sondern solche unter Gründung
eigner Arbeitsstätten selbst als Unternehmer auszuführen.
Es kommen zwar Fälle vor, in denen Bahnen es vorziehen, Wiederherstel-
lungsarbeiten an Betriebsmitteln an Privatleute zu verdingen, entweder gegen directe
Bezahlung oder gegen eine Vergütung nach Maassgabe der Leistung der Betriebsmit-
tel (z. B. pro Kilometer). Dieses sind jedoch Ausnahmefälle, ebenso wie diejenigen
Fälle, in denen Bahnen bei temporärer Ueberhäufung ihrer eigenen Werkstätten grös-
sere Reparaturen an Fabrikanten verdingen.
Neben der Reparatur der Betriebsmittel werden die Werkstätten auch mit der
Herstellung neuer Theile beschäftigt, doch bezieht sich dieses bei der Mehrzahl der
Bahnen nur auf Gegenstände untergeordneter Art, Weichen, Herzstücke etc.
Grosse Bahnen (England, Frankreich) geben allerdings ihren Werkstätten zum
Theil solche Ausdehnung, dass darin auch die grösseren Objecte (Locomotiven, Ten-
der, Wagen) neu hergestellt werden können, doch ist solches im Allgemeinen in
Deutschland nicht üblich, dagegen besitzen einige Bahnen neben den eigentlichen
Bahn Werkstätten auch wirkliche Maschinenfabriken etc., in denen dieselben für sich
und auch wohl für Private arbeiten lassen. Derartige Anlagen, ebenso wie die stel-
lenweise vorhandenen Werke zur Erzeugung von Eisen, Stahl und Fabrikation von
Waaren im Grossen fallen im Allgemeinen nicht in den Rahmen dieses Buches. Ebenso
ist die Herstellung von Eisenguss in der Regel nicht mit den Eisenbahnwerkstätten
verbunden und kann hier übergangen werden.
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