Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Die Technik des Betriebes mit Signalwesen und Werkstätteneinrichtung — Leipzig, 1876

Page: 202
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Theodor Büte.

Die Entscheidung’ darüber, wie weit der Wirkungskreis der Eisenbahnwerk-
stätte auszudehnen sei, hängt von der Lage derselben und den Verhältnissen des
Unternehmens ab.
Neue Bahnen, welche Gegenden erschlossen, in denen die Industrie wenig
entwickelt ist und welche nicht etwa schon einen Stamm tüchtiger Beamten und Ar-
beiter aus den Werkstätten einer Mutterbahn recrutiren können, sind in erhöhtem
Maasse auf die Thätigkeit der Privatindustrie hingewiesen.
Dagegen können Bahnen, welche Gegenden mit sehr entwickelter Industrie
durchschneiden, in denen die Materialien keine grossen Transporte erfordern und ge-
eignete Arbeitskräfte reichlich zufliessen, weiter gehen und sich, wenn die Verwal-
tung eine sehr geregelte- ist, vortheilhaft auf Herstellung von Stücken einlassen, welche
sonst von der Privatindustrie bezogen werden. Namentlich kann dieses dann ge-
schehen, wenn zeitweilig eine Verringerung der vorliegenden Arbeiten eintritt und es
darauf ankommt, den Arbeiterstamm zu erhalten.
Im Allgemeinen muss jedoch als Grundsatz gelten, dass Eisenbahnen sich nicht
mit der Herstellung von Arbeitsstücken beschäftigen, welche sie mit Sicherheit eben
so gut und so billig von solchen Privatgeschäften beziehen können, die aus der Her-
stellung dieser Arbeiten eine Specialität machen.
Ausgeschlossen sind ohnehin diejenigen Arbeiten, welche zu ihrer Ausführung
die Anschaffung grösserer Einrichtungen oder die Herstellung eines continuirlichen
Betriebes erfordern, insofern die Menge der herzustellendeu Gegenstände nicht derart
ist, dass die Einrichtungen sich verzinsen, beziehentlich die Arbeiten nur zeitweilig
betrieben werden können.
Die in den Eisenbahnwerkstätten auszuführenden Arbeiten scheiden sich in 3
Abtheilungen:
1 Arbeiten an Locomotiven und Tender,
2) - - Eisenbahnwagen,
3) - - den mechanischen Einrichtungen, Anfertigung wie Erhal-
tung der Wasserkrahne, Drehscheiben, Weichen und Herzstücke etc.
Insofern es die Verhältnisse zweckmässig erscheinen lassen, können die Werk-
stätten für diese 3 Abtheilungen örtlich getrennt sein, wie solches auch factisch bei
einigen grossen Bahnen der Fall ist, bei denen z. B. die Wagen Werkstatt an einem
andern Orte liegt wie die Locomotivwerkstatt. Bei der Mehrzahl der Bahnen liegen jedoch
keine Momente von solcher Bedeutung vor, dass eine Trennung motivirt erschiene.
§ 2. Ausdehnung und verschiedene Arten der Werkstätten. — Die einer
Werkstätte zu gebende Grösse und Ausdehnung hängt von der Bedeutung der Bahn,
für welche dieselbe bestimmt ist, ab, sowie davon, ob sämmtliche Reparaturen der
Bahn darin vorgenommen werden sollen, oder nur ein bestimmter Theil derselben.
Die Technischen Vereinbarungen des Vereins deutscher Eisenbahn -Verwaltungen
von 1871 schreiben in Bezug auf die Werkstättenanlagen Folgendes vor:
»§ 97. Steht derselbe (der Locomotivschuppen) nicht in der Nähe einer
Reparaturwerkstatt, so ist ausserdem eine Schmiede- und Schlosserwerkstätte, ein
Raum für Eisen, Oel, Putzzeug, und sonstige Materialien vorzusehen.
§ 101. (Reparaturwerkstätten.) Die Anlage von Centralwerkstätten ist der
von mehreren kleineren vorzuziehen ; dieselben sind an Hauptknotenpunkten des
Verkehrs von solchem Umfange einzurichten und mit solchen Werkzeugen auszu-
statten, dass die Reparaturen an den Fahrbetriebsmitteln stets vollständig und
schnell ausgeführt werden können.
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