Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Die Technik des Betriebes mit Signalwesen und Werkstätteneinrichtung — Leipzig, 1876

Page: 331
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XI. Ermittelung der Achsbelastungen etc

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nöthig erachtet worden, die einzelnen Radpressungen des Fahrzeuges gegen die
Schienen zu ermitteln.
Bei den Wagen ist die Vertheilung der Last auf die Räder gewöhnlich von
andern Factoren abhängig als bei den Locomotiven. Die Wagen besitzen zunächst
meist eine symmetrische Form zum verticalen Längeschnitt und meist auch zum Quer-
schnitt durch den Schwerpunkt derselben; ausserdem sind die Rahmen der Wagen
in verticaler Richtung namhaft elastisch, und es ist deshalb fast nur bei dreiachsigen
Wagen eine mehr oder mindere Regulirung der Mittelfelder durch Anspannen oder
Nachlassen nöthig. — Bei den Locomotiven hingegen ist die Radpressung gegen die
Schienen von wesentlichem Einflüsse auf die Betriebssicherheit, sowohl wegen der
nothwendigen Belastung gegen Entgleisungen und der Ruhe ihres Ganges, als auch
wegen übermässiger Belastungen in Beziehung auf das Gleisegestänge.
Die Versammlung der deutschen Eisenbahn-Techniker in Dresden (1865) be-
schloss aus diesen Gründen auf die dort gestellte Frage:
»Welche Erfahrungen bietet die wiederholte Abwaage der Belastung der
Locomotiv-Tragfedern unter Berücksichtigung der ungleichen Wider-
standsfähigkeit der Tragfedern bei einer und derselben Locomotive?«1)
nach eingehender Discussion.
»Die wiederholte Abwaage der Locomotive in Bezug auf Belastung der
Achsen wird empfohlen; hierbei wird noch bemerkt, dass die Ab-
waage sämmtlicher Räder gleichzeitig vorzunehmen ist.«
Desgleichen sprach sich die Versammlung der deutschen Eisenbahn-Techniker
in Hamburg (1871) dahin aus:
»Dass die Berichtigung der Belastung der Loco motivräder
nach jeder grossem oder die Belastung alterirenden
Reparatur der Locomotiven durch Abwägung mittelst
Ehrhardt’scher Wiegeapparate oder mehrtheil iger
Brückenwaagen, mit denen sämmtliclie Radbelastungen
gleichzeitig ermittelt werden können, f li r d e n sicher n
Lauf der Locomotiven als zweckmässig und genügend
erachtet werde.«2)
§ 2. Vorrichtungen und Werkzeuge zur Ermittelung des Raddruckes. —
Zur Ermittelung des Raddruckes bedient man sich verschiedener Methoden.
Das dem Wege der Rechnung (welches hier nicht zur Besprechung gelangt)
zunächstliegende, empirische, Verfahren besteht in Messung der Federdurchbiegungen
jeder Feder des Fahrzeugs auf einer Federprobirmaschine oder sonstigen Waage bei
verschiedenen Belastungen und darauffolgender Aufzeichnung einer solchen Scala; wird
die so probirte Feder eingesetzt und diese Scala in Anwendung gebracht, so erkennt
man an der Durchbiegung die correspondirende Last auf der Scala, mit welcher die
Feder drückt; hierzu werden die auf der Achsbüchse fest aufgelagerten Theile und
das halbe complete Achsengewicht addirt, und man kann auf diese Weise mit ziem-
licher Sicherheit auf den ausgeübten Raddruck schliessen.
Dieses Verfahren ist jedoch, wenn es genaue Resultate ergeben soll, ziemlich
umständlich; es giebt auch den Raddruck nicht direct an, und dies hat besonders
bei mehrachsigen Fahrzeugen zur Folge, dass auf die Belastung Einfluss habende

') Vergl. Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens 1. Supplementband 1866. p. 09.
2) Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens 1871, p. 119.
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