Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Die Technik des Betriebes mit Signalwesen und Werkstätteneinrichtung — Leipzig, 1876

Page: 579
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XX. Capitel.

Locomotivdienst, Anheizen der Locomotiven, Verhalten
während der Fahrt, bei Unfällen; Rinnen der Siederöhren,
Brüche von Maschinentheilen, Schmieren, Putzen und
Dichten der Locomotiven, Locomotivpersona.1.
Bearbeitet von
G e o r g M e y e r,
Königl. Maschinenmeister der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn in Berlin.

§ 1. Allgemeines über den Locomotivdienst. — Zur Beförderung eines
Eisenbahnzuges ist zweierlei Personal uöthig und zwar Locomotivpersonal und Wa-
genpersonal. Das erstere hat die Bedienung der Locomotive während der ganzen
Fahrt zu besorgen und besteht gewöhnlich aus zwei Personen, dem Locomotivführer
und dem Heizer; nur bei Torfheizung werden auch wohl 3 Mann, wobei 2 Mann
abwechselnd zur Bedienung des Feuers vorhanden sind, gebraucht. Ausserdem wird
auch auf einzelnen Bahnen noch die sogenannte Tenderwache als dritter Mann auf
den Tender auf den Strecken, wo es für erforderlich erachtet wird, gestellt. Dem
Wagenpersonal (aus Zugführer, Schaffner, Bremser und Schmierer bestehend) liegt
die Bedienung der Wagen und bei Personenbeförderung gleichzeitig die Anweisung
des reisenden Publicums ob.
Von diesen beiden Dienstzweigen ist unbedingt derjenige des Locomotivführers
der verantwortlichere und zugleich beschwerlichere. Beim Locomotivdienst ist die
möglichst grösste Präcision und unnachsichtliche Bestrafung jeder Nachlässigkeit un-
bedingt für die Sicherheit des Betriebes erforderlich.
Dieser Dienst, welcher unter allen Einflüssen der Witterung, der nervenschwä-
chenden Erschütterung der Maschine u. s. w. wahrgenommen werden muss, stumpft
natürlich mehr ab, als jeder andere Dienst beim Eisenbahnbetriebe.
Mit Rücksicht hierauf werden auch bei eintretender Pensionirung bei den mei-
sten Bahnen die Dienstjahre der Locomotivfuhrer doppelt gerechnet.
Es ist nothwendig, dass man bei der Wahl dieser Beamten auf gute Gesund-
heit, vor Allem auf gutes Gesicht und gutes Gehör neben kräftiger Körperconstitu-
tion sieht.
Auch müssen dieselben Kaltblütigkeit, Entschlossenheit und muthiges Vorgehen
in Gefahren besitzen.

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