Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Die Technik des Betriebes mit Signalwesen und Werkstätteneinrichtung — Leipzig, 1876

Page: 673
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XXJII. Capitel.

Betrieb der Eisenbahnen im Kriege.

Bearbeitet von
A. F r a n k,
Kaiserl. Eisenbahn-Maschinenmeister der Elsass-Lothringischen Eisenbahnen in Montigny bei Metz.

Hierzu Tafel XLV bis XLIX.)

§ 1. VortheiLe der Eisenbahnen im Kriege. — Wie die Eisenbahnen in
allen Verhältnissen der civilisirten Welt eine gewaltige Umwälzung hervorgebracht
liaben, so sind sie auch auf die Kriegführung nicht ohne hohe Bedeutung geblieben.
Sie bieten die Möglichkeit, die Truppen in sehr kurzer Zeit zu concentriren und nach
dem Kriegsschauplätze zu bringen und gestatten eine rasche Verlegung der Truppen-
körper von einem Punkte nach dem anderen. Sie überbeben die Truppen den Stra-
patzen starker Märsche und bringen sie in frischem und ungeschwächtem Zustande
(allerdings ohne Marschgewöhntheit) an den Ort der Ausschiffung. Sie erleichtern
ungemein die Verproviantirung der Armeen, welche bei den bedeutenden Heeresmas-
sen, die in den Kriegen der neueren Zeit aufgeboten werden, mit grossen Schwierig-
keiten verbunden sein würde. Sie unterhalten die Verbindung der Reserven mit dem
Hauptheere und bewerkstelligen endlich die Dislocationen der Verwundeten und Kran-
ken, wodurch denselben bessere Quartiere und sorgfältigere Pflege gewährt werden
können.

§ 2. Erste Anwendung der Eisenbahnen zu Kriegszwecken. — Die erste
Anwendung der Eisenbahnen zu grösseren Truppentransporten finden wir im Jahre
1849 bei dem ersten Schleswig-holsteinischen Kriege in dem Transporte der deutschen
Reichstruppen nach Schleswig-Holstein. Bald nachher im Spätherbst 1850 fanden in
Oesterreich bedeutende Truppentransporte statt, indem nämlich auf der nördlichen
Staatsbahn binnen 26 Tagen 75,000 Mann, 8000 Pferde und 1800 Fuhrwerke ein-
schliesslich der Geschütze von Ungarn nach Wien über Brünn und Olmütz nach der

nördlichen Grenze der Monarchie befördert wurden. Die Tagesleistung betrug hierbei
im Durchschnitt 3000 Mann, 300 Pferde, 70 Fuhrwerke und 3000 Ctr. Militärgut und
die Maximaltagesleistung 8000 Mann, 550 Pferde und 180 Fuhrwerke.
Bei dem italienischen Kriege im Jahre 1859 brauchte das dritte österreichische
Armeecorps von 20,091 Mann, 5462 Pferden und 278 Fuhrwerken einschliesslich der Ge-
schütze 14 Tage, um von Wien bis Nabresina transportirt zu werden, erzielte also nur
eine durchschnittliche Tagesleistung von 1700 Mann, 450 Pferden und 24 Fuhrwerken.
Handbuch d. sp. Eisenbalin-Technik. IV. 2. Aufl. ...
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