Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahnbau — Leipzig, 1873

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T. Capitel.
Einleitung.

Bearbeitet von
M. M. von Weber,
froher .Staatsei senbahn-Director in Dresden, jetzt, k. k. Hofrath ini Handelsministerium in Wien.

§ 1. Geschichtliches über die ältesten Spurhahnen. — Die zukünftige Ge-
schichtsschreibung, welche die Historie des Menschengeschlechts nicht mehr als eine
Folge von Handlungen der brutalen Gewalt, sondern als eine Reihe von Cousequenzen
der guten Thaten des Menschengeistes zu schildern hat, wird ihre Erzählungen aus allen
Bereichen der menschlichen Thätigkeit, wie an einen unzerreissbaren Faden, an die Ge-
schieilte des Verkehrs zu knüpfen haben, da durch diesen erst der Mensch zum
Culturwesen wird.
Der ganze Bereich dieser Geschichte des Verkehrs muss für diese Geschichts-
schreibung der Zukunft in zwei grosse Perioden zerfallen : die der Zeit vor der willkür-
lichen Bewegung durch unorganische Kraft, zu Wasser und zu Lande, und die nach der-
selben. Der erstbezeichneten Periode gehört der ganze, circa 6000 Jahre umfassende
Raum unsrer sogenannten historischen Zeit bis zur Erfindung der Locomotion durch
Dampfkraft an, an der Schwelle der zweiten stellen wir seit noch nicht zwei Menschen-
altern und schon haben wir in dieser Spanne von Zeit mehr Schritte nach den Zielen der
Freiheit und der Humanität Hin geschehen sehen, als in irgend einem vorhergehenden
Jahrhunderte, das der Erfindung der Buchdruckerkunst ausgenommen.
So lange das Leben des Verkehrs sich der gequälten Kraft des animalischen
Wes ms zu seinen Hauptbewegungen bedienen musste, war das Maass der Schnelligkeit
und Ausdauer derselben an das Maass dieser Kraft gebunden, der Sciavendienst des frei-
gebornen Geschöpfes konnte nicht zur vollen Freiheit des Menschen Verkehrs führen.
Mit der Dienstbafmachung der Dampfkraft wurde der Menschheit das neue Organ
gegeben, das sie zur Erreichung des nächsten Stadiums ihrer Entwickelung bedurfte, und
die Eisenbahn mit ihren pfeilschnellen Wanderungen hochgebildeter Völkermassen ist
ebenso prägnant der Ausdruck des Gesammtlehens unsrer Culturperiode, wie die Inka-
pfade, auf denen nur der Fuss des Palankinträgers, des Königsboten und der Infanterie
schreiten konnte, das Bild jener wunderbaren südamerikanischen Despoten-IIalb-Civi-
lisation sind; wie das die Welt Uberspinnende Netz der Römerstrassen den unermesslichen
Einfluss des grössten Volkes aller Zeiten in den sprechendsten Zügen darstellt.
Handbuch d. sp. Eisenhahn-Technik. J. 3. Aufl. \
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