Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahnbau — Leipzig, 1873

Page: 131
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V. (’apitel.
Conserviren der Schwellen.

Bearbeitet von
II. Baumeister,
Professor an der polytechnischen Schule in Karlsruhe.

(Hierzu Tafel X.)

8 !• Zweck der Holzconservation. — Bekanntlich verliert Holz, den Einflüssen
der Atmosphäre preisgegeben, im Verlaufe einiger Jahre seine technisch wichtigen
Eigenschaften: Cohäsion, Elasticität, Härte. Diese Umwandlung, Faulniss genannt,
ist besonders im Eisenbahnbau bedenklich, wo ausser anderen Bestandteilen, als
Brückenbahnen, Telegraphenstangen, Einfriedigungen, ein wesentliches Element des
Oberbaues, die >Schweilen, nach bisheriger Hebung meistens aus Holz gebildet
wurden. Denn ausser dem grossen und kostspieligen Bedarf an Holz tritt die Schwie-
rigkeit, ja Gefährlichkeit des Geschäftes, verfaulte Schwellen zu erneuern ohne den
Betrieb zu unterbrechen, in den Vordergrund. Es ist deshalb schon beim Beginn des
Eisenbahnbaues in England versucht worden, das Holz zu conser viren, und man
nahm die betreffenden Methoden mit sonstigen Studien über das Eisenbahnwesen gegen
1840 nach Deutschland herüber, um dieselben seither durch zahlreiche Experimente
im grossen und kleinen Maassstabe zu vermehren.
Erst die neuesten Untersuchungen der Chemie verbreiteten Licht über das beim
Holzconserviren zu befolgende Prineip. Man wusste nur, dass Luft und Wasser als
Gährungserreger nothwendig und gleichzeitig anwesend sein müssen. Organische Körper
unter Abschluss von Luft, oder in der Trockenheit (unter 0° und über 40° Temperatur)
bleiben unverändert. Auch steigt die Schnelligkeit der Metamorphose, wenn jene
beiden Factoren mit gleicher Energie und Bequemlichkeit an den organischen Körper
treten können, während sie abnimmt, wenn der eine Factor nur in geringer Menge
vorhanden ist, oder in rascher Bewegung vorübergeführt wird. Die Erklärung dieser
Thatsachen im chemisch-physiologischen Sinne wurde erst durch die Untersuchungen
von Pasteur ungebahnt. >) Danach ist das Wachsthum von kleinen Organismen (Gäh-
rungspilzen und Infusionsthierchen) Ursache jeder Gährung und höchst wahrscheinlich
i) Annales de Chimie et de Physique 1862, p. 5. Namhafte Chemiker halten übrigens
gegenwärtig noch an der Unterstellung fest, dass eine chemische Veränderung des Holzes auch ohne
Wachsthum von Organismen vor sicli gehen könne. S. Chemische Technologie der Baumaterialien,
Abschnitt Holz von Dr. Adolf Mayer.
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