Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahnbau — Leipzig, 1873

Page: 256
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VII. Capitel.
Festigkeitstheorie der Schienen.

Bearbeitet, von
Dr. E. Winkler,
Professor dos Eisenbahn- und Brückenbaues am Polytechnicum in Wien.
(Hierzu Tafel XV und XVI.)

§ 1. Bruchfestigkeit der Schienen mit einzelnen Stützpunkten. — Eine
Eisenbahnschiene wird in Hinsicht auf die Festigkeit in sehr mannigfacher Weise
beansprucht. Am stärksten ist jedenfalls die Beanspruchung auf Biegung durch den
Verticaldruck der Räder. Ausserdem aber besteht eine Beanspruchung durch die
Horizontaldrücke in Folge der Schwankungen der Betriebsmittel, welche in einer Bie-
gung im horizontalen' Sinne und wegen der excentrischen Wirkung der Horizontal-
drücke in einer Art Torsion besteht. Hierzu kommen noch Beanspruchungen des
Steges auf Druck, Knickfestigkeit und Biegung, sowie die in mannigfaltiger Weise
auftretenden StossWirkungen. Die meisten dieser Beanspruchungen entziehen sich einer
theoretischen Untersuchung entweder ganz oder doch zum grossen Theil. Nur die
zuerst genannte Beanspruchungsweise auf Biegung in verticalem Sinne durch den Ver-
ticaldruck der Räder lässt eine eingehendere Theorie zu, mit der wir uns im Folgenden
befassen wollen.
Die Grundformel für die Bruchfestigkeit gerader Träger, welche nur durch Lasten
belastet sind, die senkrecht auf die Achse des Trägers wirken, ist bekanntlich
iKW=Ma,
’ | ft' IV — M et,
wenn M das grösste statische Moment der äussern Kräfte, W das Trägheitsmoment
des Querschnittes für eine auf der Kraftebene senkrechte Schwerachse, a und a den
grössten Abstand der Fasern von dieser Achse auf der ausgedehnten und zusammen-
gedrückten Seite und K, ft den grössten vorkommenden Zug und Druck pro Flächen-
einheit bedeutet. Diese Regel ist unter der Annahme entwickelt, dass die Längen-
änderung proportional der Spannung ist, sie gilt also nur innerhalb der Elasticitäts-
grenze. Da bei den Eisenbahnschienen die Elasticitätsgrenze nicht überschritten wird,
so sind diese Formeln zur Berechnung der Tragkraft der Schienen oder der Dimen-
sionen der Schienen für eine gegebene Tragkraft anwendbar, wenn man für K und ft
den grössten zulässigen Zug und Druck pro Flächeneinheit oder den sogenannten
Sich erb ei tscoeffi eien teil für Zug und Druck setzt.
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