Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahnbau — Leipzig, 1873

Page: 314
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IX. Capitel.
Ausweichungen und Gleiskreuzungen.
Bearbeitet von
E (1. S o ii n o,
Baurath, Professor am Polyteehnicum zu Baruistadt.
(Hierzu Tafel XVIII bis XXL)

§ I . Einleitung und Uebersicht. — Auf Wasserstrassen und auf Landwegen
können die Schiffe, die Wagen einander ausweichen, einander überholen, wenden und
umkehren, wie und wo sie wollen, wenn anders nur das Wasser tief und die Strasse
breit genug ist; Schiff und Wagen bewegen sich frei und ungehindert, wie Ruder und
Zügel es vorschreiben. Andern Verhältnissen unterliegen die Eisenbahnen und ihre
Fahrzeuge. Auf den schmalen Schienen würden Locomotiven und Eisenbahnwagen
festgebannt und dazu verdammt sein, sich nur rückwärts und vorwärts zu bewegen,
wenn nicht besondere Vorkehrungen behuf des Ausweichens, Ueberhplens und Wen-
dens der Eisenbahnfuhrwerke getroffen würden.
Diese Vorkehrungen sind verschieden, je nach den Wegen, welche Locomotivc
und Wagen machen sollen, und je nachdem einzelne derselben oder ein ganzer Zug
ausweichen oder wenden muss. Für einzelne Fahrzeuge und plötzliche Richtungsver-
änderungen kommen Drehscheiben und Schiebebühnen zur Anwendung, deren Be-
sprechung einem der folgenden Capitel Vorbehalten ist. Bei allmählichen Richtungs-
Veränderungen dagegen und für die Manipulationen mit ganzen Zügen sind diejenigen
Anordnungen zu benutzen, deren Besprechung wir nunmehr in Angriff nehmen: die
W eichen (Ausweichungen, VVechsel).
Die Weichen sind in gewisser Beziehung vollkommener als die Drehscheiben
und Schiebebühnen, weil sie sowohl für einzelne Fuhrwerke, wie für ganze Züge zu
gebrauchen sind; sie sind andererseits unvollkommener, weil man mit ihrer Hülfe ein
Umwenden nicht erreichen kann, wenigstens nicht ohne Gleisanlagen von über-
mässiger Ausdehnung und wiederholtes Anhalten der Züge. Es kann sein, dass dieser
Uebelstand noch eine neue Constructionsform neben den genannten ins Leben ruft.1)

ü Man vergl. die Gleisanordnung auf dem Bahnhofe zu Baltimore, welche das Wenden
der Locomotiven ohne Drehscheiben ermöglicht, in Perdonnet’s Traite, 2. Bd., p. 355. Ferner
Bcheffler's Project einer Drehbahn in Zeitschrift für Bauwesen 1866, p. 547.
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