Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahnbau — Leipzig, 1873

Page: 722
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XVII. Capitel.
Aussergewöhnliche Eisenbahnsysteme.

Atmosphärische und pneumatische Bahnen, Seilebenen, Agudio’s System,
Zahnstangenbahnen.
Bearbeitet von
H. Sternberg,
Oberbauratli, Professor an der polytechnischen Schule in Karlsruhe.
(Hierzu die Tafeln LI bis LIV.)

§ 1. Leistungsfähigkeit <les Locomotivbetriebes. — Zur Beurtheilung des
Wertlies der verschiedenen Bahnsysteme, welche andere Betriebsmittel als Locomotiven
verwenden, ist es unabweisbar, zunächst über den Locomotivbetrieb selbst die An-
sichten festzustellen.
Locomotiven sind Motoren, welche mit dem bewegten Zuge gleichzeitig sich
selbst bewegen, also auch die verlorene Arbeit, welche aus ihrer eigenen Bewegung
erwächst, mit zu leisten haben. Die Uebertragung der Bewegung der Dampfmaschine
an den Zug geschieht vermittelst der Reibung, welche sich zwischen Radreifen und
Schiene entwickelt und, neben der Beschaffenheit der reibenden Flächen, von der
Grösse des Druckes auf die Triebräder abhängt. Dieser Druck wird nun geleistet im
Allgemeinen von der Schwere, d. h. dem Gewicht der Maschine, in besonderen Fällen
(z. B. bei der Fell’schen Locomotive) durch eine von dem Gewicht der Maschine
unabhängige Kraft, oder durch beide Kräfte gemeinschaftlich. Bei den meisten Loco-
motiven ist nicht das ganze Gewicht derselben zur Entwickelung der nöthigen Reibung
thätig, sondern nur ein Theil desselben; bei den schweren Güterzugmaschinen, ins-
besondere bei den Tendermaschinen, ist hierzu das ganze Gewicht der Looomotive, bei
der Fell’schen Locomotive mehr als das ganze Gewicht derselben verwendet.
An der Peripherie der Triebräder wirkt stets eine Kraft, welche der zur Be-
wegung von Zug und Locomotive gehörigen Zugkraft genau gleich ist.
Die Leistungsfähigkeit einer Locomotive ist zunächst abhängig von der Grösse
der feuerberührten Fläche. Man erkennt, dass, bei der jetzt sehr feststehenden Con-
structionsweise der Locomotivkessel, das Gewicht der ganzen Locomotive ungefähr
proportional sein wird der Anzahl der von derselben entwickelten Pferdekräfte. Es ist
zwar richtig, dass ein Locomotivkessel, wenn derselbe mit sich selbst ähnlich wüchse,
in der Oberflächenentwickelung, also in seiner Leistung nach der zweiten, in dem Ge-
wichte nach der dritten Potenz der linearen Dimension zunähme; aber die Voraussetzung
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