Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahnbau — Leipzig, 1873

Page: 787
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XVII. AUSSERGEWÖHNLICHE ElSENBAHNSYSTEME.

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von ()m, 100 Theilung bei 0m,102 Breite; die doppelt angeordneten Vorgelegsräder haben
14 und 411 Zähne, 0m,223 und 0,n,684 Durchmesser und 0ra,075 Breite. Die Maschine
hat auswärts liegende Cylinder und eine Allan’schc Coulissensteuerung; sie arbeitet
•ait Dampf von 9 Atmosphären Ueberdruck. Die Anzahl der Hübe ist 125 in der
Minute, die Triebachse macht dabei 40 Umdrehungen; die Kolbengeschwindigkeit be-
trägt lm,667 und die Fahrgeschwindigkeit der Maschine lm,33 in der Secunde.
Der Radstand der Maschine ist 3 Meter, die Höhe 4™,80, die Länge 5'",925,
die Breite 2m, 150; der Wasserkasten fasst 1,1 Cubikmeter.
Die Kosten der Bahn, einschliesslich drei Locomotiven, drei Personenwagen und
drei offener Guterwagen betrugen 350000 Thaler.
Man rechnet auf einen jährlichen Verkehr von 30000 Personen und hat für die
Bergfahrt ein Personengeld von 5, für die Thalfahrt von 2*/2 Franken festgesetzt. Die
Unternehmer erhalten für den Betrieb der Bahn 30 % des Bruttoertrages. Die Ren-
tabilität der Anlage scheint unzweifelhaft zu sein und hat bereits im Jahre 1871 einen
ausserordentlich hohen Betrag erreicht.
Auf Tafel LIV ist die Construction der Rigibalm in einigen wesentlichen Theilen dar-
gestellt :
Fig. 1 zeigt eine Seitenansicht von Locomotive und Wagen;
Fig. 2 verdeutlicht in Längenansicht, Längen- und Querschnitt die Construction der
Zahnstange;
a Seitenwangen; b Zahn; d festgenieteter Stützwinkel; c Stossschwelle; e Mittel-
schwelle ;
Fig. 3. Querschnitt eines Zahnes in natürlicher Grösse nebst Angabe der Zapfen zum Ein-
setzen in die Wange a \
Fig. 4. Vorderachse der Locomotive; »
Fig. 5. Hinterachse der Locomotive ;
k Zahnstange-; p die lose anf den Wellen aufsitzenden Laufräder; / Vorderachse, auf
der die Bremsscheiben g und das mittlere Zahnrad i festsitzen;
0 Krummzapfenachse der Dampfmaschine,
h Hinterachse und Haupttreibachse der Locomotive,
1 stählernes Haupttriebrad zur Fortbewegung des Zuges,
in und n die beiden doppelten Vorlogeräder;
Fig. C zeigt im Grundrisse die Verbindung des links gedachten Wagens mit der rechts
stehenden Locomotive;
q Bufferfedern der Locomotive,
r Stützrolle,
's Stirnbrett der Locomotive,
t Stirnbrett des Wagens.
Die Zahnstangenbahnen in der vortrefflichen Ausführung der Rigibahn bezeichnen
ejnen schätzbaren Fortschritt in der Eisenbahntechnik und bilden ein vorzügliches
Mittel zum Befahren sehr starker Steigungen. Sie sind Locomotivbahnen, deren Ad-
liäsionsgrad beliebig gross ist und bei denen die schädlichen Reibungen überhaupt
gering sind. Eine andere Frage ist jedoch, ob solche Bahnen fähig sein werden, den
grossen Weltverkehr von Hauptlinien aufzunehmen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass
üian alle Maasse bedeutend steigern kann; trotzdem wird aber die Leistungsfähigkeit
°iner so steilen Zahnstangenbahn nur eine sehr kleine sein, da naturgemäss die Ge-
schwindigkeit und die Zugkraft der Locomotive sehr gering bleiben muss. Mit wie
vielen Gleisen müsste man die Rigibahn versehen, um sic fähig zu machen, einen
solchen Verkehr zu bewältigen, den wir auf so manchen Strecken in stets wachsendem
Maasse antreffeu!

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