Edmund Heusinger von Waldegg
Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik: unter Mitw. von Fachgenossen hrsg. von Edmund Heusinger von Waldegg: Der Eisenbahnbau — Leipzig, 1873

Page: 789
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XVIII. Capitel.
Eisenbahnfähren und Eisenbahnschilfbrücken.

Bearbeitet von
H. Steruberg,
Oberbauratli, Professor an der polytechnischen Schule in Karlsruhe.

(Hierzu die Tafeln LV und LV1.)

§ 1. Einleitung. — Die Anlagen, welche den Eisenbahnverkehr über Flüsse
Und Wasserflächen überhaupt zu führen bestimmt sind, gehören in der Kegel zu den
schwierigsten und kostspieligsten des Eisenbahnbaues. Feste Brücken, in ihren Licht-
biaassen den Bedürfnissen der Fluthverhältnisse und der Schifffahrt entsprechend, sind
Unbedingt die vorzüglichsten solcher Anlagen, und zwar in solchem Grade, dass der
Eisenbahnbetrieb in keiner Weise auf sic Rücksicht zu nehmen braucht und sie wie
Jede andere Bahnstrecke benutzen kann.
Es treten jedoch zuweilen Umstände ein, die die Erbauung von festen Brücken
ünthunlich machen und zu andern an sich unvollkommneren Einrichtungen zwingen,
die aber doch den Eisenbahnverkehr ermöglichen, d. h. die ohne eine Umladung von
Eutern und Personen auf Schiffe nöthig zu machen, die Eisenbahnwagen selbst von
einem Ufer zum andern befördern. Solche Einrichtungen sind entweder Eisenbahnfähren
(Traject-Anstalten) oder Eisenbahn-Schiffbrücken. Die Ersteren sind im Wesentlichen
Schiffsgefässe verschiedener Form und Grösse mit einem Deck, welches ein oder meh-
rere Eisenbahngleise trägt und die Wagen aufnimmt. Der Transport des Fährschiffes
Von einem Ufer zum andern, sowie die Art und Weise der Beladung und Entladung
sind sehr mannigfaltig ausgeführt worden, wie in dem Folgenden näher entwickelt
Werden wird.
Die andere Einrichtung, die Aneinanderfügung vieler Schiffe mit einem zu-
sammenhängenden Beleg, also die Herstellung einer Schiffbrücke, welche ein Eisen-
bahngleis trägt, ist erst in den letzten Jahren bei Maxau, in der Nähe von Karlsruhe,
ziir Ueberschreitung des Rheines ins Leben getreten.
Die vorher erwähnten Umstände, welche zur Anlage einer Fähre oder Schiff-
brücke führen, können ihre Begründung finden entweder in den übefinässigen Aulage-
kosten einer Brücke im Verhältniss zu dem Verkehre auf derselben oder in strategischen
Rücksichten. Auch sind mehrfach Fähren angelegt worden als vorübergehende Ein-
vichtungen während der Bauzeit fester Brücken (z. B. bei Mainz, Mannheim, am Nil).
Insofern kleine Gewässer nur geringe Ueberbrückungskosten fordern und einem Heere
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