Röll, Victor [Editor]
Encyklopädie des gesamten Eisenbahnwesens in alphabetischer Anordnung (Fünfter Band. Istrianer Bahnen bis Personenverkehr) — Wien, 1893

Page: 2060
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Italienische Eisenbahnen







Zweigbahn Ceprano-Popoli konzessioniert. Durch
Dekret vom 24. August 1860 erfolgte die Kon-
zession der Linie Tronto-Taranto und zweier
Linien über den Apennin, welch letztere Kon-
zessionen jedoch bei dem Sturz der bourboni-
schen Regierung unausgeführt blieben.
b) Lombardei, Yenetien und Mittel-
italien. In dem vormals österreichischen Teil
Italiens wurde im Jahr 1837 die lombardisch-
venetianische Ferdinands-Eisenbahngesellschaft
zum Bau einer Eisenbahn von Mailand nach
Venedig mit einem Stammkapital von 50 Mill.
Lire gegründet und erhielt 1840 die Konzession.
In demselben Jahr wurden die Arbeiten zwi-
schen Padua und Venedig bei der großen La-
gunenbrücke begonnen. Infolge mangelnden Ver-
trauens und des Hereinbrechens der Finanzkrise
war das Unternehmen dem Zusammensturz nahe;
um das Mißtrauen zu beseitigen, erklärte sich
die Regierung 1842 bereit, falls die Mittel der
Gesellschaft erschöpft sein sollten, den Bau auf
eigene Kosten weiterzuführen und die Bahn zwei
Jahre nach der Vollendung gegen Umtausch der
Aktien in 4 % ige Staatsschuldverschreibungen an-
zukaufen. Die Gesellschaft schritt nunmehr zur
Ausführung des Baues. Am 13. Dezember 1842
wurde die Strecke Padua-Fort Malghera an den
Lagunen, am 1. November 1843 die kurze Strecke |
Fort Malghera bis zur Lagunenbrücke eröffnet j
und wurden die Arbeiten von Mailand östlich
gegen Treviglio und von Padua westlich gegen
Vicenza eifrig betrieben. Bevor jedoch die
Lagunenbrücke vollendet war, sah sich die Ge-
sellschaft genötigt, infolge neuerlicher finan- j
zieller Schwierigkeiten mit der Regierung wegen
Ausbaues und Betriebsübernahme auf Kosten
der Gesellschaft in Verhandlung zu treten, und
wurde anfangs 1846 die bezügliche Vereinbarung
getroffen. Noch im Jahr 1846 wurde der Verkehr
auf der ganzen Strecke Padua-Vicenza-Venedig
und auf der Strecke Mailand-Treviglio eröffnet. !
1849 wrnrde die Strecke Vicenza-Verona, 1851
die Strecke Verona-Mantua und Mestre-Treviso ;
vollendet, womit die Bauführung des Staats !
auf Kosten der Gesellschaft endete.
Als die finanziellen Verlegenheiten der Ge-
sellschaft anhielten, kaufte der Staat 1852 die
beiden Linien Venedig-Verona und Treviglio-
Mailand. Schon vorher, 1851, hatte der Staat
die Linien der Mailand-Monza-Como-Bahn ein-
gelöst,
1856 trat der.Staat die sämtlichen Linien
der Lombardei und Venetiens der am 7. März
1856 konzessionierten lombardisch-venetiani-
schen Eisenbahngesellschaft gegen Zahlung von j
100 Mill. Lire ab. Die Gesellschaft verpflichtete i
sich, die noch nicht ausgebauten Strecken binnen
bestimmten Terminen dem öffentlichen Verkehr
zu übergeben u. zw.: Coccaglio über Bergamo nach
Monza nebst Zweigbahn nach Lecco, Casarsa
über Udine, Cormons nach Nabresina, S. An-
tonio di Mantova zum linken Po-Ufer bis
Borgoforte, Mailand-Piacenza, Melegnano-Pavia,
Mailand-Buffalora bis an die sardinische Grenze
zum Anschluß an die sardinische Bahn nach
Turin mit der Ausästung nach Sesto Calende.
Der Staat sicherte der Gesellschaft eine 5% ige
Zinsengarantie nebst '/5X als Amortisations-
quote.
1856 wurde dem Herzog von Galliera als
Beauftragtem der Konzessionäre der lornbar-
disch-venetianischen Eisenbahngesellschaft auf

Grund eines zwischen den beteiligten Mächten
abgeschlossenen Staatsvertrags das Recht zum
Bau und Betrieb von Bahnen in Mittelitalien
erteilt; dieselben sollten eine Linie von Pia-
cenza über Parma, Reggio, Modena und Bo-
logna durch das Renothal nach Pistqja zur Yer- '
bindung mit den toskanischen Bahnen bauen,
mit einer Abzweigung von Reggio über Gua-
staila und Suzzara behufs Verbindung mit den
lombardisch - venetianischen Bahnen mittels
Überschreitung des Po bei Borgoforte. In diesen
Konzessionen wurde Zinsengarantie, bezw. Aus-
nahmestellung betreffs Abgaben und Steuern
bewilligt, aber der Gesellschaft die Verpflich-
tung auferlegt, die ganze Bahn in der Ebene
bis zum Fuß des Apennin zweigleisig her-
zustellen.
Die Konzession für die lombardisch-venetia-
nische Bahn und für die central-italienischen
Bahnen wurde von den Konzessionären einer
Aktiengesellschaft überlassen, welche den Namen
„K. k. priv. lombardisch-venetianische und
central-italienische Eisenbahngesellschaft“ an-
nahm.
Die Gesellschaft schloß 1857 mit der öster-
reichischen Regierung ein Übereinkommen ab,
infolgedessen ihr der Bau der Strecke Bergamo-
Monza gegen dem erlassen wurde, daß dieselbe
dafür die Strecke Bergamo-Cassano und eine
Flügelbahn von Treviglio über Crema nach
Cremona erbaue. Sohin erwarb die Gesellschaft
auch die toskanische Maria Antonia-Bahn (Pi-
stoja-Florenz).
Mit 1. Januar 1859 vollzog sich die Ver-
einigung der lombardisch-venetianischen und
central-italienischen Eisenbahn mit der öster-
reichischen Südbahn.
I)ie durch diese Vereinigung gebildete neue
Gesellschaft führte noch den Bau einiger Linien
durch, so daß am 30. April 1859 in dem damals
österreichischen Teil Italiens — der Lombardei
und Venetien — im ganzen 522 km Eisen-
bahnen fertiggestellt waren.
Infolge der politischen Ereignisse von 1859
erließ Viktor Emanuel unter dem 1. Dezember
1859 ein Dekret, welches die Regierung zur
Ausführung des Züricher Vertrags vom 10. No-
vember desselben Jahrs ermächtigte. Hiernach
bestätigte die italienische Regierung die von
Österreich für die abgetretenen Landstriche er-
teilten Konzessionen (Gesetz vom 8. Juli 1860)
mit der Abänderung, daß an Stelle der Linie
Reggio-Borgoforte jene von Bologna über Fer-
rara nach Pontelagoscuro gebaut werden sollte.
Die unter österreichischer Herrschaft verblie-
benen venetianischen Linien gehörten seitdem
zum österreichischen Südbahnnetz, wäh-
rend die übrigen früheren lombardisch-venetia-
nischen Gesellschaftslinien den Kern der Eisen-
bahnen Oberitaliens bildeten.
c) Toskana. Hier wurde 1844 die Linie
Livorno-Pisa als erste Teilstrecke der Linie
Livorno-Florenz eröffnet, welche im Jahr 1838
der Leopoldsbahn-Gesellschaft auf 100 Jahre
konzessioniert worden war. In dem genannten
Großherzogtum wurde ferner 1841 vom Herzog-
tum Lucca und 1844 von Toskana zunächst
für die Linie Lucca-Pisa (vollendet 1846),
später auch für die Linie Lucca-Ponte dell
Abbate der anonymen Gesellschaft der Eisen-
bahn Lucca-Pisa die Konzession erteilt. Der
Gesellschaft der mitteltoskanischen Eisenbahnen,
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