Röll, Victor [Editor]
Encyklopädie des gesamten Eisenbahnwesens in alphabetischer Anordnung (Siebenter (Schluss-)Band. Stellwerke bis Zwischenstationen) — Wien, 1895

Page: 3103
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Stellwerke

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Stellwerke (Safety appcircitus, pl., inter-
locking apparatus, pl., for working distant
points and Signals; Appareils, m. pl., de
sürete, appareils, m. pl., pour la securite
des manoeuvres d’aiguilles et de signaux),
Sicherheitsstellwerke, Centralapparate, Central-
stellapparate, die Vereinigung der Hebel räum-
lich voneinander entfernter Weichen und
Signale an einer Stelle zu dem Zweck, um
die Bedienung derselben durch eine Person
und die Herstellung einer Abhängigkeit zwi-
schen den einzelnen Hebeln zu ermöglichen.
Die S. dienen entweder a) nur zur Stellung
von Weichen (Weichenstellwerke), oderb) nur zur
Stellung von Signalen (Signalstellwerke), oder
c) zur Stellung von Weichen (bezw. zur Ver-
riegelung derselben) und von Signalen (Weichen-
und Signalstellwerke).
Die ersteren finden zumeist nur auf Rangier-
bahnhöfen Anwendung und ermöglichen eine
einfachere und raschere Bedienung der Weichen,
indem einem Weichensteller mehr Weichen
zugewiesen werden können, als dies bei der
Lokalstellung der Fall ist (s. Centralisierung,
Bd. II). Bei diesen einfachen S. ist keinerlei
mechanische Abhängigkeit zwischen den ein-
zelnen Stellhebeln vorhanden und es kann jeder
derselben beliebig umgelegt werden.
Die unter b erwähnten Signalstellwerke
werden bei Streckenblockeinrichtungen, Bahn-
kreuzungen u. s. w. angewendet, und sind die
Stellkurbeln, bezw. Stellhebel nur dann unter-
einander abhängig gemacht, wenn die örtlichen
Verhältnisse dies erfordern. Die Stellung von
Weichen findet nicht statt, hingegen kommt
die Verriegelung einzelner Weichen durch Ein-
schaltung einer Riegelvorrichtung in die Signal-
zugleitung vor.
Die unter c genannten Weichen- und Signal-
stellwerke werden auf Bahnhöfen und Bahn-
abzweigungen verwendet und ist bei denselben
stets eine Abhängigkeit zwischen den Signal-
und YVeichenhebeln vorhanden.
In die S. werden auch die Stellvorrichtungen
von Wegschranken, Riegelvorrichtungen für
Drehscheiben und -Brücken einbezogen und
mit den Signalen in Abhängigkeit gebracht.
Die gesamte Stellwerksanlage läßt sich in
drei Hauptteile zergliedern:
1. Das Stellwerk im engeren Sinn, d. i.
die in der Bude oder im Turm aufgestellte
mechanische Einrichtung, der Hebelapparat,
mittels welches die Weichen und Signale ge-
stellt werden;
2. die Leitung oder das Gestänge, welche,
bezw. welches von dem S. bis zu den Weichen
und Signalen führt;
3. die an den Weichen und Signalen vor-
handenen Einrichtungen, mittels welcher durch
die Leitung die Weichen gestellt und die
Signale gezogen werden.
Hier sollen nur die S. im engeren Sinn
behandelt werden, über die anderen Haupt-
teile siehe die besonderen Artikel.
Das S. im engeren Sinn, der Hebelapparat,
enthält die nötige Zahl Weichen- und Signal-
hebel. Bei Signal- und Blockwerken werden
auch Kurbeln zum Stellen verwendet.
Die Abhängigkeit zwischen den Weichen und
Signalen wird nach den Vorschriften einer für
jede Gleisanlage besonders aufzustellenden Ver-
schlußtabelle (s. d.) durch ein Riegel werk bewirkt,
Encyklopädie des Eisenbahnwesens.

welches aus einer Reihe von Längs- und Quer-
schiebern besteht; die Schieber sind mit An-
sätzen, Einschnitten und ähnlichen Vorrich-
tungen versehen. Jeder Stellhebel bewegt einen
Querschieber, jeder Signalbebel einen Quer-
und einen Längsschieber; dadurch wird, je
nach der Lage der Schieber und deren An-
sätze, die Bewegung der Signalhebel und der
mit denselben verbundenen Stellhebel ermög-
licht oder verhindert.
Die Hebel sind mit Handfallen und Klinken
versehen, durch welche eine gewaltsame In-
anspruchnahme des Riegelwerks verhindert
wird, weil beim Anziehen der Handfallen eine
Sperrung der feindlichen Signale, bezw. Weichen
eintritt. Die Entriegelung erfolgt erst wieder,
wenn nach der Rückstellung die Handfalle
eingeschnappt ist.
Die Anordnung der Stellhebel am S. er-
folgt so, daß entsprechend der örtlichen Lage
die Einfahrts- und Vorsignalhebel auf die eine
Seite, die Weichenhebel in die Mitte und die
Ausfahrtssignale auf die andere Seite gesetzt
werden. Steht das S. in Verbindung mit den
Blockeinrichtungen (s. d.), so setzt man die dafür
notwendigen Hebel unmittelbar neben, hinter
oder über die Signalhebel. Die Weichenhebel
erhalten Schilder, welche mit der Nummer
der Weiche versehen sind. Die Schilder wer-
den so angeordnet, daß man sowohl bei der
normalen wie bei der gezogenen Stellung des
Hebels die Nummer deutlich erkennen kann.
Auf dem Schild des Signalhebels sollen die
Signalbezeichnung und die Nummern der
Weichenhebel verzeichnet sein, welche zuvor
zu ziehen sind. Bei Umschlaghebeln werden
die Drehrichtungen durch Pfeile angegeben.
Die Bedingungen, welche ein S. für Wei-
chen und Signale erfüllen muß, sind folgende:
Es darf kein Fahrsignal gegeben werden
können, bevor nicht die in der betreffenden
Fahrstraße liegenden und vom Zug zu befah-
renden Weichen richtig und jene aus den
Nebengleisen in die Fahrstraße führenden
Weichen so gestellt sind, daß kein Fahrzeug
auf diese Fahrstraße gelangen kann.
So lange ein Signal auf „Freie Fahrt“ steht,
müssen die in Betracht kommenden Weichen
verschlossen sein und dürfen nicht umgestellt
werden können.
Signale, deren Stellung auf „Freie Fahrt“
einem einfahrenden Zug Gefahr bringen kann,
müssen solange verschlossen bleiben, als das
Fahrsignal für den Zug gegeben ist.
Signale, deren gleichzeitige Stellung auf
„Freie Fahrt“ den Zügen keine Gefahr bringt,
müssen zu gleicher Zeit gestellt werden können.
Solange die Signale auf „Halt“ stehen und
die zu den Signalhebeln gehörigen Verriegelungs-
schieber sich in der Ruhelage befinden, müssen
die Weichen beliebig stellbar sein.
Signale dürfen nicht in der Freistellung
verschlossen werden.
Die Stellhebel müssen nach Bedarf unter
Blockverschluß gelegt werden können und muß
das Verschlußregister des S. bei einer allfälligen
Änderung der Gleisanlage oder der Fahrordnung
des Bahnhofs leicht dieser entsprechend ge-
ändert werden können.
Bei neueren S. (in Deutschland) wird außer-
dem verlangt, daß das Auffahren der Weichen
am S. angezeigt und die Signalstellung flu*
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