Ritgen, Hugo von
Neues System für Secundär-Bahnen von normaler Spur — Berlin, 1876

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Einleitendes.


Personenverkehr unter Einhaltung eines bedeutend kleineren Normallade-
profils und Normaldurchfahrtsprofils, sowie unter Anwendung bedeutend
kleinerer Kurvenradien, als bei den Hauptbahnen gestattet, vermitteln. Des-
gleichen muss die grösste erlaubte Belastung einer Betriebsachse (Lokomotiv-
aclise) sehr erheblich geringer, als für die Hauptbahnen gestattet, bemessen
werden; wodurch in Vereinigung mit der geringeren Fahrgeschwindigkeit der ge-
sammte Unterbau und Oberbau der Bahn erheblich schwächer, als bei
den Hauptbahnen, ausgeführt werden darf. Die Steigungen auf der Sekundärbahn
dürfen bedeutend steiler sein, als die auf den Hauptbahnen durchschnittlich üblichen,
da die übrige Wohlfeilheit des Baues und Betriebes diese Erschwerung des letzteren
weniger empfindlich machen wird. Diesen Punkt möchten wir jedoch weniger her-
vorheben, da auch viele Hauptbahnen in dieser Hinsicht schon Erkleckliches leisten.
Als den allerwichtigsten Punkt bezeichnen wir dagegen das Bestreben, eine grössere
Freiheit und Leichtigkeit in der Tracirung der Bahnlinie wesentlich in der Anwend-
barkeit kleinerer Kurvenradien.zu erreichen.
Alle die anderen Momente, welche wesentlich zur Wohlfeilheit einer Sekundär-
bahn beitragen sollen, wie energische Reduktion [aller Ansprüche für Hochbauten,
besonders Empfangsgebäude, Mittel und Wege, wie die Betriebsausgaben und die
Kosten für das Beamtenpersonal verringert werden können etc. etc. wollen wir hier
nicht in Betracht ziehen. Dieser letztere Theil der Gesamintaufgabe kann von dem
Tlieile, welchen wir uns vorgesetzt haben, ohne Bedenken vollständig getrennt werden,
und ist derselbe auch für sich bereits in der Hauptsache erschöpfend behandelt und
gelöst worden.
Wir fügen zum Vorigen noch das Folgende hinzu:
Ist einmal für das Hügel- und Gebirgsland das System der Sekundärbahn fest-
gestellt und dessen Ausführung gesichert, so liegt kein Grund vor, dasselbe nicht
auch vielfach auf Linien in dem Flachlande in Anwendung zu bringen, voraus-
gesetzt, dass sich mit hinreichender Sicherheit die Frage entscheiden lässt, ob die zu
erbauende Linie für die Gegenwart und Zukunft eine Linie von sekundärer Bedeutung
sein und bleiben wird. Diese Frage ist es fast allein, welche die Anwendung eines
spezifisch von den Hauptbahnen verschiedenen sekundären Eisenbahnsystems im Flach-
lande schwierig macht, während doch gerade dieses in vielen Fällen wohlfeiler Sekundär-
bahnen dringend bedarf.
2. Beibehaltung der normalen Spurweite.
Zur Verwirklichung von Sekundärbahnlinien von den vorgenannten Eigen-
schaften wird nach neuerem Geschmacke mehr und mehr die Schm aispur-Bahn
in Vorschlag gebracht. Gerade dem möchten wir jedoch entgegen treten, wir möchten
ein System für eine Sekimdärbalin obiger Gattung mit der normalen Spurweite
der Hauptbahnen aufstellen, welches allen vorhin aufgestellten Anforderungen in aus-
reichendem Masse entspricht. Der einzige Umstand, welcher für uns gewichtig zu
Gunsten der Schmalspur sprechen könnte, wäre die als ausser Zweifel angesehene
Möglichkeit der Anwendung bedeutend kleinerer Kurvenradien, als bei normaler Spur-
weite überhaupt möglich. Durch Verminderung des Radstandes für die sämmtlichen
Betriebsmittel der Sekundärbahn jedoch glauben wir den vorzuschreibenden Minimal-
radius auf circa die Hälfte des für die Hauptbahnen gestatteten bringen und dadurch
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