Ritgen, Hugo von
Neues System für Secundär-Bahnen von normaler Spur — Berlin, 1876

Page: 69
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Vorschläge für die Ausführung des Sekundärbahnsystems

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in Vorschlag gebracht, (lass man die Zugmaschine in der Gewichtsmitte des Zuges
fahren lasse, was hei Interkommunikation auf den Personenzügen und guter Signali-
sirung auf den Güterzügen keine Schwierigkeit hat. Der Zug kann daher vor der
Strecke von grossem Widerstande in seine zwei Gewichtshälften getheill, und diese
können nach einander befördert werden.

K. Vorschläge für die Ausführung des Sekundärbahn-
systems.
Wir sind weit entfernt davon, das von uns hier in Vorschlag gebrachte System
für Sekundärbahnen bereits für ein allseitig genügend durchgearbeitetes und fest-
gestelltes zu halten. Es werden bei gründlicher Ausarbeitung des Projectes ins Ein-
zelne und später nach Anstellung von Versuchen mit Probewagen etc. sicherlich
mannigfache Abänderungen, besonders in Mass und Zahl, hie und da wohl auch in
grundsätzlichen Dingen eintreten müssen. Wir haben aber ein bestimmtes und hin-
reichend abgerundetes Projekt vorgelegt, welches einen Weg angiebt, wie die Auf-
gabe, welche in der Sekundärbahnfrage an uns'herantritt, jedenfalls auf eine genü-
gende Weise gelöst werden kann; auch glauben wir, dass die von uns gegebene
Lösung in der Hauptsache die bestmögliche ist. Aber wir denken nicht daran, die
Einzellösungen, welche das ganze Projekt ausmachen, überall für die geschicktesten
anzusehen. Hier bleibt dem Maschinenkonstrukteur und dem Fabrikanten noch ein
weites Feld.
Fragt es sich nun, wie der von uns gemachte Vorschlag in seine Verwirk-
lichung eintreten kann, so scheint uns die einfachste Möglichkeit diejenige, dass eine
Staatsbahn- oder Privatbahn-Verwaltung, welche wesentlich für die Erlangung guter
sekundärer Eisenbahnen zur Aufsaugung des Verkehrs der umliegenden Gebiete inter-
essirt ist, zunächst einige Normalgütenvagen, im wesentlichen nach dem von uns
vorgeschlagenen Systeme, sowie eine Zugmaschine nach dem von uns aufgestellten
Programme erbauen lässt. Das beste Resultat würde wohl durch das Ausschreiben
einer Konkurrenz, welches die Detailkonstruktion soviel, als möglich, dem Fabrikanten
freilässt, sowohl für einen Normalgüterwagen, wie für die Zugmaschine erreicht wer-
den. Besonders für die Beschaffung einer guten Zugmaschine nach dem von uns
gegebenen Programme möchte kaum ein anderer Weg empfehlenswerth sein. Ist man
über die Konstruktion der Versuchswagen und der Versuchsmaschine schlüssig ge-
worden und hat man die erforderliche Anzahl von Betriebsmitteln in Bestellung ge-
geben oder ist man in der Lage, einen Versuchszug aus Konkurrenzwagen und Ma-
schinen verschiedener Konstruktion anordnen zu können, so wird eine Versuchsbahn
mit steilen Steigungen und scharfen Kurven, wie solche für Sekundärbahnen zu er-
warten sind, herzustellen sein. Auf dieser müssen die ausführlichsten und gründ-
lichsten Untersuchungen über das Verhalten der Fahrzeuge besonders auf Steigungen
und in Kurven und bei verschiedener Fahrgeschwindigkeit, bei verschiedener Witte-
rung und Adhäsion, auch in Hinsicht auf Signalisirung aller Art angestellt werden.
Desgleichen sind die Versuche durch Einreihung dieser Fahrzeuge in den Verkehr
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