Ritgen, Hugo von
Neues System für Secundär-Bahnen von normaler Spur — Berlin, 1876

Page: 72
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/33-7086/0076
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
72

Uebersicht über ilas den Sekundärbahnen vorbehaltene Gebiet.

nur in Zügen von halb so grosser Geschwindigkeit, wie diese, verkehren sollen. In
den Sekundärwagen würden somit die Hauptbahnen einen Park von »Wagen für
kleine Geschwindigkeit« erhalten. Auf französischen Bahnen hat man bereits
Wagen für kleine Geschwindigkeit und es scheint dies wohl beachtenswerth. Sicher
kann ein Wagen, welcher nicht rascher, als 4 Meilen die Stunde fährt, um einen
erheblich geringeren Preis ausgeführt werden, als ein Wagen, der oft einer Geschwin-
digkeit von 8 Meilen und mehr in der Stunde ausgesetzt ist.
Beim Beginne der Einführung des neuen Sekundärbahnsystems würde man die
Güter unzweifelhaft an der Uebergangsstelle zwischen Haupt- und Sekundärbahn in
den meisten Fällen umladen müssen, weil nemlich einerseits beim Uebergange vieler
Sekundärwagen auf die Hauptbahnen die Sekundärbahnen zu viel von den eigenen
Betriebsmitteln abgeben müssten, ohne anderweitig Ersatz zu erhalten; andrerseits
werden nur sehr wenige Hauptbahnstationen zufällig einen Sekundärwagen haben,
wenn sie desselben bedürfen, um eine Fracht nach einer Sekundärbahnstation zu be-
fördern. Es wird daher in beiden Richtungen in der Regel ein Umladen stattlinden
müssen. Der Vortheil, die Umladung zu vermeiden, wird somit zunächst nicht oder
nur in sehr unvollständiger Weise erreicht; und es würde, wenn dieser Grund allein
für die Beibehaltung der Normalspur spräche, dessen Gewicht kaum die nöthige Kraft
haben. Wir zeigten aber vorhin, wo nach unserer Ansicht der Ilauptvorzug liegt
und verweisen auf das Gesagte.
Später jedoch nach ausgedehnter Entwickelung des Sekundärbahnwesens würde
die Rücksicht auf Vermeidung des Umladens allerdings wieder in ihre Rechte ein-
treten, und würde der Vortheil der gleichen Spurweite mit den Hauptbahnen mit
dem Wachsen der Sekundärbahnen und des Verkehrs auf denselben auch in dieser
Hinsicht immer bemerkbarer werden.

L. Uebersicht über das den Sekundärbalmeii vorbehaltene
Gebiet.

Wir wollen zum Schlüsse unserer Untersuchungen noch einen Blick auf die
Gebiete werfen, auf welche sich unsere Sekundärbahnen erstrecken dürften.
Was die Beschaffenheit der Landschaft oder des Gebietes anlangt, welches
sich zur Anlage von Sekundärbahnen unseres Systems vorzugsweise eignet, so
wird es zweckmässig sein, dieselben zunächst in solchem bergigen Lande aus-
zuführen, wo höhere Bergrücken das Land in bestimmt abgegrenzte Theile theilen
und dem Laufe der Hauptverkehrsstrassen für Gegenwart und Zukunft bestimmte
Richtungen vorschreiben, so dass die Frage, was eine Hauptbahnlinie ist und was
voraussichtlich immer eine sekundäre Linie sein wird, ohne Schwierigkeit entschieden
werden kann.
Nehmen wir das Flussgebiet des Rheines, so sind dessen sekundäre und theil-
weise auch tertiäre Thäler bereits meistentheils mit Hauptbahnen versehen, und
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list