Strauß, Walter
Einst und jetzt auf Stephenson's Spur: Poesie und Prosa zur Jahrhundertfeier der ersten Eisenbahn der Welt Stockton - Darlington 1825 - 1925 — Hannover, 1925

Page: 45
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Und damit hatte der biedere Stephensoii, der sich aus eigener Kraft
vom Hirtenjungen bis zum Gründer der ersten Lokomotivfabrik
emporarbeitete, gewiß nicht zuviel gesagt, wie denn auch sein Sohn
Robert, der eine umfassende wissenschaftliche Bildung besaß, im
vertrauten Kreise über seine und seines großen Vaters überaus
schwache Begabung für die mathematischen Disciplinen oft zu scherzen
pflegte und dabei einst in Gegenwart von Max Maria von Weber
äußerte:

,,Wir haben immer Ideen gehabt, und Leute, die das rechneten,
was dabei zu rechnen war, ließen sich immer leicht und wohlfeil
finden.“
Mit vollem Recht rief daher Rankine in seiner Rede bei der Ein-
weihung von Stephenson’s Denkmal in der Westminster Abtei aus:
„Die Eisenbahn, vollständig und fertig, wie sie uns Stephenson
hinterließ, ist ein Produkt der Notwendigkeit und des Geistes
ihrer Zeit. Das ungelehrte Talent, das gesunde praktische Denken
des Volkes, die schwielige Hand des Arbeiters hat sie allein ge-
schaffen; die Schulweisheit hat keinen Theil an ihr. Keine Formel
ist bei der größten technischen Schöpfung unserer Zeit entwickelt,
keine Gleichung dabei gelöst worden.“
Statt dessen aber überschritten bald darauf Hackworth’s ,,Globe“
und Stephenson’s ,,Planet“, dessen Anordnung in der „Planetklasse“
mit innen liegenden Zylindern sowie Dampfdom vorbildlich für die
nun rasch auf kommenden Lokomotivfirmen wurden, die Schwelle
dieses ersten Entwickelungsabschnittes, um in dem weiteren Ausbau
durch die beiden berühmten Pioniere Gooch und Crampton die Grund-
lage unseres heutigen Lokomotivbaues zu schaffen, denn, so sagt
mit Recht Max Maria von Weber:
„Was von nun an geschah, das war Ausbildung, Vervollkommnung,
Verstärkung, Entwickelung von Keimen, die fast alle schon in
Stephenson’s großer Schöpfung lagen.“
Wie stolz man daher auf den „Planet“ war, der am 23. November
1830 „den Weg zwischen Manchester und Liverpool binnen 60 Mi-
nuten zurücklegte“, zeigt, daß Gordon dieser angestaunten Leistung
als „Einst“ die der Postkutsche von 1678 und 1765 in den beiden
folgenden „Ankündigungen“ gegenüberstellt, und zwar:
„Hr. William Huine, Kaufmann zu Edingburgh, machte mit
dem Glasgower Magistrate den Contract, „daß für ihn eine hin-
reichend starke, mit 6 tüchtigen Pferden bespannte Kutsche in
Bereitschaft gehalten werden solle, welche zwischen Edinburgh
und Glasgow fahren, und jeden Montag Morgen von Glasgow
abgehen, und jeden Sonnabend Abend mit Gottes Hülfe dort an-
langen sollte“

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