Strauß, Walter
Einst und jetzt auf Stephenson's Spur: Poesie und Prosa zur Jahrhundertfeier der ersten Eisenbahn der Welt Stockton - Darlington 1825 - 1925 — Hannover, 1925

Page: 46
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sowie

„Eine neue, in Stahlfedern hängende, mit vier Pferden be-
spannte und mit zwei Postillons besetzte Postkutsche geht Montags,
Mittwochs und Freitags, um 7 Uhr Morgens, sowohl vom „Gast-
hof zum Windhund“ auf dem Marktplatz zu Bath, als vom „Gast-
hof zum Georg“ in Drury-Lane zu London ab, und langt an den
folgenden Tagen um 4 Uhr Abends in den genannten Gasthöfen
an. Zu Andover wird sowohl auf dem Hin- als Herwege über-
nachtet.“
Wie der Name der oben erwähnten „America“ bereits erkennen
ließ, hat schon in den Frühlingstagen der Eisenbahn ein „Export“
von Lokomotiven in die „Neue Welt“ stattgefunden. Außer der
„America“ aus Stephensons Lokomotivfabrik zu Newcastle-on-Tyne
hatte Horatio Allan, dem die Delaware-Hudson-Kanalgesellschaft 1828
zum Ankauf von Lokomotiven nach England sandte, damals auch
drei weitere Lokomotiven, darunter auch den aus der Fabrik von
Foster, Rastrick & Co. zu Stourbridge stammenden und danach ge-
nannten „Stourbridge Lion“, eine Schwestermaschine der „Puffing
Billy“, erworben. Aber von diesen vier ersten „Einwanderern“ sei
hier nicht die Rede. Des Künstlers Bilder führen uns vielmehr die
ersten, in Amerika selbst geborenen Lokomotiven vor, so „The best
friend of Charleston“ (Bild 8) und „The de WTitt Clinton“ (Bild 9).
Während die erstere, um 1830 von E. Miller erbaute Maschine nicht
lange ihrem stolzen Namen Ehre bereitete, sondern bald nach ihrer
unter Kanonendonner und dem Wehen des Sternenbanners begon-
nenen Erstlingsfahrt schon 1831 dem Schicksal der ersten Kessel-
explosion in Amerika zum Opfer fiel, konnte die „De Witt Clinton“,
die 1831 den ersten Eisenbahnzug im Staate New York fuhr und
zwischen Albany und Schenectady auf der Mohawk & Hudson
Railroad verkehrte, nach ihrer pietätvollen Aufbewahrung als „the
original unit of the New York Central System“ in der Vorhalle der
Grand Central Station noch einmal unter eigenem Dampf „die eisernen
Bretter, die die Welt bedeuten“, betreten. „The De Witt Clinton
runs once more!“, so sprang diese Neuigkeit wie ein Lauffeuer durch
die Straßen von New York und lockte eine große Zuschauermenge zum
Riverside Drive, wo die Veteranin zwischen der 96sten und 1 lösten
Straße nebst Tender und drei Wagen mit 12 km Geschwindigkeit
„Luft schnappen ging“. Den ungeheuren Raumverhältnissen ihres
Geburtslandes entsprechend, wurde sie darauf samt Zug auf einen
Drehgestell-Plattformwagen geladen, um als „Service Progress Special“,
von einer modernen Güterzuglokomotive Nr. 8000 der Mikado-
Gattung und der am 10. Mai 1893 bei Beförderung des „Empire Staate
Express“ den Rekord von 169 km Geschwindigkeit erzielenden
Engine Nr. 999 gezogen, mit noch drei weiteren, als Museum aus-

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