Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

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Persönliches zur Einführung
Dieses Buch wird vieles sagen, was sonst unausgesprochen bleibt.
Deshalb wird es mir manche Unannehmlichkeit einbringen. Das
weiß ich, weil ich meine Mitmenschen so allmählich kenne und ihre
Art, zu verpönen, was ungewohnt ist.
Aus diesem Grunde konnte ich es auch nicht eher schreiben;
solange ein Arzt den Forderungen seiner Praxis Rechnung tragen
muß, kann er es sich nicht erlauben, das Geleise zu verlassen.
Wer sich aber frei gemacht hat, — wer nun sagen darf, was er für
gut und richtig hält, der hat auch die Pflicht es zu tun.
So muß ich denn niederschreiben, was ich als richtig erkannt
habe. Ich könnte meinem Lebensabend nicht ruhig entgegensehen,
wenn ich das unterließe. Denn es tut not, diesen Weg zu zeigen;
zu viel Leid wird gelitten, das vermieden werden könnte, zu viel
Freude versäumt, die das Lebensglück erhöhen würde.
Ich habe jetzt für diese Arbeit das richtige Alter und die ge-
nügende Vorbereitung. Der Wissenschaftler, der sich mehr als ein
Vierteljahrhundert lang theoretischen und praktischen Fragen ge-
widmet; der Schriftsteller, der manchen und mancherlei Gedanken
Form gegeben; der Frauenarzt mit reicher Erfahrung; der Vertraute
vieler Männer und Frauen; der Mensch, dem nichts Menschliches,
der Mann, dem nichts Männliches fremd geblieben; der Gatte, der
Glück und Leid der Ehe empfunden; der Fünfzigjährige schließlich,
der gelernt hat, das Leben mit freudiger Gelassenheit zu betrachten,
der zu alt geworden, um noch Jugenddummheiten zu machen, aber
zu jung geblieben, „um ohne Wunsch zu sein“; sie alle zusammen
können, eine Feder führend, zu diesem Werk berufen sein.
Die Unannehmlichkeiten, auf die ich oben hinwies, könnte ich mir
durch den Gebrauch eines Decknamens ersparen. Ich muß aber
darauf verzichten, weil ich für wissenschaftliche Auffassungen mit
meinem wissenschaftlichen Namen einzutreten habe, und weil Rat-
schläge, die im Grunde genommen eine sittliche Bedeutung haben,
durch Erteilung unter Anonymität an Wirkung Einbuße erleiden
würden.

Van do Velde, Vollkommene Ehe. 1

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