Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

Page: 206
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nach einer Periode der Verneinung-, wieder gewissermaßen zu den
Auffassungen der Alten und des Volksglaubens (in moderner,
wissenschaftlicher Form allerdings und von unsinniger Phantasie frei-
gemacht) zurückgekehrt sind. Zu gleicher Zeit haben wir das Zeit-
alter, in der die Gattin, sexuell gesprochen, als passiver Gebrauchs-
gegenstand, Reagenzgefäß und Brutapparat betrachtet wurde, abge-
schlossen und sie als aktives, vollwertiges und gleichberechtigtes
Geschlechtswesen rehabilitiert.
Sollen wir aber bei der Rückkehr zu früheren Auffassungen und
bei dieser Gleichstellung von Mann und Weib so weit gehen, daß
wir der männlichen Samenentleerung wieder eine weibliche „Semi-
natio“ (also auch eine Samenentleerung; vgl. das Zitat aus Crais-
sons Buch) gegenüberstellen? Davon kann selbstverständlich nicht
die Rede sein.
Aber doch von einer weiblichen „Ejakulation“?
Da liegt die Sache schwieriger, besonders auch wieder, weil es
dieser Hinsicht individuelle Unterschiede gibt. Im Sinne der

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Ausschleuderung von Samen wie beim Manne kommt auch dieses
Wort nicht in Betracht; das ist klar. In der Regel gebraucht man
es nur an Stelle von „Orgasmus“, ohne sich darüber klar zu sein,
ob etwas ejakuliert wird, und was ejakuliert wird.
So weit ich eine Ahnung davon habe, scheint mir bei den meisten
Laien die Vorstellung zu herrschen, daß tatsächlich bei der Lust-
lösung der Frau irgend etwas zur Ausspritzung kommt und (wie
beim Manne) kommen soll.
Ob es naturgemäß dazu kommen soll, wage ich nicht zu be-
urteilen. Daß es dazu kommt, jedenfalls bei einem Teil der Frauen,
ist nicht zweifelhaft. Ob die Ausspritzung bei der Mehrzahl oder
nur bei einer Minderheit stattfindet, entzieht sich meinem Wissen-
Das einzige, was ausgespritzt werden kann, ist der dünne
Schleim, der sich beim Eintreten des Orgasmus in den großen
Vorhofsdrüsen (Gland. Bartholini) befindet. Wir haben gesehen,
daß diese Drüsen (zusammen mit den kleinen Vorhofsdrüsen, die
aber zu klein sind, um eine Ansammlung von Sekret, das ausge'
spritzt werden könnte, zu ermöglichen) unter Einfluß der sexuelle11
Erregung zu sezernieren (absondern) anfangen; auch daß der Schiein1
hervortritt und sehr nützlich, ja nötig ist, um den Introitus vaginae
schlüpfrig zu machen und dadurch die Einführung des Phallos ohne
Schmerzen zu ermöglichen. Diese Schleimabsonderung kann und
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