Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

Page: 226
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Gewisse Schwierigkeiten, die dem Coitus aus besonderen körper-
lichen Eigenschaften der Beteiligten (z. B. Schwellung des Bauches
durch Schwangerschaft, durch starken Fettansatz) erwachsen, lassen
sich durch geeignete Stellung und Haltung vermeiden. Ebenso lassen
sich in dieser Weise Gefahren, die bei der Vergattung unter be-
stimmten Umständen (Mißverhältnisse der Geschlechtsorgane, Zer-
reißbarkeit der Gewebe, z. B. infolge von Schwangerschaft) besonders
für die Frau entstehen können, umgehen oder verringern. Durch
ungeeignete Haltung der Gatten können sie vergrößert werden.
Die Intensität der Lustgefühle schließlich ist in bedeutendem Grade
abhängig von der bei der Vergattung eingehaltenen Stellung und
Haltung.
Damit hört aber deren Einfluß nicht auf. Denn da Art und An-
wendungsstellen der Reize mit der Haltung, die die Körper gegen-
einander einnehmen, wechseln, so variieren die durch diese Reize
erregten Gefühle nicht allein in Intensität, sondern namentlich auch
in Art und Charakter — und zwar in erheblicher Weise. So ist
denn die Möglichkeit einer großen Abwechslung im Vergattungs*
genuß gegeben. Und da jeder Genuß — wie die Alten es schon
in manchem, seitdem viel zitierten Ausspruch bezeugt haben1)
— sich auf die Dauer nur voll bewähren kann, wenn genügende
Abwechslung hineingebracht wird, hat die Frage, die wir hier be-
sprechen, auch von diesem Standpunkt aus betrachtet, eine erheb-
liche Bedeutung für das Glück der Ehe.
* *
Es gibt zwei in Betracht kommende Coitus-Stellungen: die
erste, d. i. die, wo die Vorderseite des Mannes der der Frau zu-
gewendet ist, die „Positio obversa“ und die zweite, wobei sie sich
dem Rücken des Weibes zukehrt, die „Positio aversa“s). In jeder
dieser beiden Stellungen sind viele Coitushaltungen (bzw. Lagen)
möglich, und manche kommt mit Erfolg zur praktischen Anwendung-
') Z. B. Publilius Syrus: „Nihil est jucundum, quod non reficit variatum
2) Eine dritte, in welcher die Vorderseite des Mannes der Seite des Weibes an
liegt, ist eine so wenig mit den Körperformen übereinstimmende, daß sie nur als
seltene Spielart gelegentlich zur Anwendung kommt, aber keine anderen Rel*e
als die des Ungewohnten bietet, während ihr verschiedene Nachteile eigen sind-
Ihre Empfehlung von mohammedanischer Seite, zur Förderung der Befruchtung
bei seitlichen Deviationen des Uterus, beruht auf völlig verfehlten anatomischen
Betrachtungen.
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