Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

Page: 256
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/37-1525/0273
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
Als Erscheinungen des Kreislaufes sind sowohl Erweiterungen,
wie Zusammenziehungen der kleinen Blutgefäße im ganzen Körper
zu erwähnen. Blässe wechselt mit hochroter Gesichtsfarbe. Das
Weiße der Augen enthält oft starke rote Äderchen. Der Blut-
druck ist erhöht. Das Herz arbeitet stärker und schneller. Diese
Erscheinungen wachsen mit dem Fortschreiten der Erregung und
der Spannung. Sie erreichen ihr Maximum unmittelbar vor dem
Orgasmus, behalten es während des Anfanges des Orgasmus und
verlieren sich mit dem Abklingen der Erregung. (Ihre Kurve geht
also annähernd parallel mit der normalen Vergattungskurve.) Die
Intensität der zirkulatorischen Veränderungen wird erhöht durch
das eigentümliche Verhalten der Atmung. Wenn die Erregungs-
kurve sich ihrem Gipfel nähert, wird die Atmung oberflächlich,
schnell und mehr und mehr stockend. Der Gaswechsel wird da-
durch vermindert, und es findet eine gewisse Anhäufung von Kohlen-
säure im Blute statt, wodurch die Gehirnzentren, welche die Blutver-
teilung und den Blutdruck regeln, gereizt werden. In den Ge-
schlechtsorganen führt das zu nochmaliger Verstärkung der Erektion
(Phallos, Clitoris, Vorhofzwiebel), die also gerade vor dem Orgas-
mus maximal wird. So wirkt dieses Stocken der Atmung auf den
Ablauf der örtlichen Vorgänge bei der Paarung in begünstigender
Weise ein.
Als weniger günstig — ja nicht selten sogar sehr ungünstig
ist der stark erhöhte Blutdruck in anderer Hinsicht zu betrachten,
weil auf diese Weise bei manchem älteren Mann mit brüchigen
Gehirngefäßen bei dem Coitus ein Schlaganfall bedingt wird-
* *
Das Muskelsystem des Körpers beteiligt sich ebenfalls ganz
an der Tätigkeit der Vergattung. Neben den koordinierten, teil-
weise noch tatsächlich willkürlichen, teilweise aber auch schon auto-
matischen bis reflektorischen Muskelkontraktionen, welche die eigent-
lichen Coitusbewegungen darstellen, macht sich eine allgemeine
Neigung zu halb oder ganz unwillkürlichen Muskelanstrengungen
geltend, die schließlich vor und beim Orgasmus einen krampe
artigen Charakter annehmen können, zum Teil selbst gesetzmäßig
diesen Charakter zeigen. So sind, um ein auffallendes Beispiel
zu nennen, die krampfartigen Bewegungen der Augenmuskeln und
der Augenlider derart typisch für den unmittelbar bevorstehenden
256
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list