Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

Page: 269
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er in dem wundervollen Freundschaftsverhältnis steht, das zwischen
Meister und Hund bestehen kann, braucht i hnen während der Werbung
des Rüden nur in die Augen zu sehen: Bei der „Jungfrau“ ist
die Angst, trotz dem deutlichen, heißen Annäherungstrieb, unver-
kennbar, während die „Erfahrene“ nur den Wunsch zeigt, sich zu
stellen.
Diese Angst ist im Wesen gewiß mehr als bloße Furcht vor
Schmerz, wie sie die menschliche Jungfrau kennt, die weiß, daß
die Zerreißung des Hymens ihr Schmerz verursachen wird. Sie be-
steht bei Tieren, die kein Hymen haben, und bei denen der Coitus
nicht schmerzhaft ist. Sie besteht erst recht bei dem völlig unwissen-
den Mädchen, das von Hymen und Defloration keine Ahnung hat.
Es ist nicht daran zu zweifeln: Diese Angst, die einen unbe-
wußten Widerstand einschließt, hat tiefere Ursachen und größere
Bedeutung, als nur die der Furcht vor kleinen Schmerzen. Wer sie
einigermaßen verstehen will, braucht sich nur zu vergegenwärtigen,
daß es hier um den Eintritt der allerwichtigsten Veränderungen im
Leben des Weibes geht, — um den Eintritt in das aktive Geschlechts-
leben mit allen seinen Folgen, Aufgaben und — Gefahren.
Jedenfalls, — die Angst möge unbewußt, unterbewußt oder (zum
kleinsten Teil) bewußt sein, — es liegt aller Grund vor, ihr ge-
bührend Rechnung zu tragen. Das soll gewiß nicht heißen, daß
der Mann ihr mit Schwachheit, geistiger Schlaffheit oder sogar
mit unangebrachtem Mitleid begegnen soll, aber wohl, daß ihm hier
die erste — aber gewiß nicht die letzte, und noch viel weniger
die bequemste — Gelegenheit, nein die Forderung entgegentritt,
jenen souveränen Takt in der Ehe zu zeigen, von dem sein Glück
Und das seiner Gattin in hohem Maße abhängen werden. „Das
Los einer Ehe hängt von der Brautnacht ab.“
* *
Der zu überwindende körperliche Widerstand wird ausschließ-
lich durch das Hymen gebildet, denn von einem anderen — durch
Abwehrbewegungen, durch festes Adduzieren der Oberschenkel —
darf nicht die Rede sein. Wenn sich derartige Erscheinungen
dennoch zeigen, so ist das ein untrügliches Zeichen, daß die
Psychische Vorbereitung der Braut durchaus ungenügend war. Da
muß jeder Versuch, die Defloration dennoch vorzunehmen, unter-
bleiben, bis das Fehlende nachgeholt ist. „Du sollst Deine Ehe
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