Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

Page: 277
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die weiblichen Geschlechtsorgane erst zur vollsten Entwicklung und
Funktionstüchtigkeit bringt, — und diese Teile zugleich „ver-
dirbt“. Von i h r erst erhält der ganze Körper den Anstoß zur höchsten
Reife und Leistungsfähigkeit, — und dabei ändert sie manche seiner
Verrichtungen, u. a. seinen Stoffwechsel (auch in durchaus normalen
Fällen) so, daß diese Verrichtungen das Krankhafte streifen oder
sogar in Krankheit übergehen. Sie endlich bedeutet für die ge-
sund denkende Frau den Gipfel der Wünsche, die Mutterschaft;
sie ist das gewaltigste und wunderbarste Erlebnis der weiblichen
Psyche, — und ruft zugleicherzeit, fast normalerweise, die unzwei-
deutigen Erscheinungen der Angstneurose hervor.1)
Das alles können wir hier nur streifen; es bildet den Stoff für
ein ganzes Werk. Zudem stehen wir, was diese Frage anbetrifft,
in vielen Beziehungen noch völlig am Anfang unseres Wissens.
Eines ist aber sicher: Der Einfluß des Gedankens an die Schwanger-
schaft spielt bei dem Geschlechtsverkehr der meisten Paare eine
ungeheure Rolle. Erst wenn die Umstände, unter denen die Ver-
gattung erfolgt, es gestatten, sich von diesem Gedanken loszu-
machen, kann der Geschlechtsverkehr ungehemmt zur Geltung
kommen.
Besonders die Furcht vor der Schwangerschaft beeinträchtigt den
Ablauf der sexuellen psychischen Prozesse oft derart, daß auch
die körperliche Reaktion dadurch gehemmt, ja sogar unmöglich
gemacht werden kann. Manche Ehe wird durch diese Furcht voll-
ständig zerrüttet.
In der Einleitung dieses Buches habe ich denn auch aus diesen
Gründen, aber nicht weniger um der Tatsache willen, daß das
Ausbleiben von Schwangerschaft ebenfalls das Glück der Ehe voll-
ständig zerstören kann, der Forderung eines „harmonischen blüh-
enden Geschlechtslebens“ sofort diejenige einer „den Wünschen
des Paares entsprechenden Lösung der Progeniturfrage“ an die
Seite gestellt, weil jene ohne diese vollständig unmöglich ist.
* *
Wenden wir uns jetzt wieder der Betrachtung des Einflusses des
Geschlechtsverkehres an sich auf die Frau zu, so erinnern wir daran,
daß eine regelmäßige (d. h. nicht auf einige wenige Male beschränkte)
J) S. die Traum-Analysen Heberers in seinem Aufsatz „Zur Psychologie der
Schwangerschaft“ im Zentralblatt für Gynäkologie 1925 No. 7.

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