Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

Page: 286
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sofort gegen diese Auffassung Front gemacht. Daß es aber Einzel-
fälle dieser Art gibt, ist auch nicht zu bezweifeln; jeder psychologisch
erfahrene Frauenarzt kennt davon treffende Beispiele.
Außerdem — auch bei nur leicht verstärktem oder sogar bei gleich
gebliebenem Verlangen genügt es, wenn die seit Jahren an einen
regen, intensiven Geschlechtsverkehr gewohnte Frau gerade in einer
Zeit, wo der Gedanke „daß es nun bald vorbei sein wird“ sich
ihr in bedrückender Weise aufdrängt, sich nicht mehr so wie früher
befriedigt fühlt, um innere Konflikte in ihr hervorzurufen. Man
weiß bei solchen inneren Konflikten nie, zu welchen Erscheinungen
sie schließlich führen werden. Ein Glück, wenn es beim inneren
Kampf und bei leichten „nervösen Beschwerden“ bleibt1). Es
können sich aber auch schwere (psycho-)neurotische Symptome
ergeben oder — — äußere Konflikte, die um so tragischer sind,
da sie ohne „Schuld“ eines der beiden Gatten nach jahrelanger
glücklicher Ehe eintreten.
Auf Grund solcher Erwägungen halte ich einen Unterschied von
10—15 Jahren beim Eingehen der Ehe in relativ jugendlichem Alter
für nicht völlig unbedenklich2), und ich möchte diesen Unterschied
etwa um die Hälfte, also auf 5—7 Jahre, reduziert sehen.
Dabei scheint es mir vernünftig, das „heiratsfähige Alter“ des
Mannes auf etwa 30 Jahre zu belassen, dagegen das des Mädchens
von 20 auf 23—25 Jahre zu bringen. Das scheint mir ohnedies
in mancherlei Hinsicht vorteilhaft. Den Nachteil des „schon vor-
geschrittenen Alters“ bei der ersten Geburt nehme ich in vollstem
Vertrauen auf unser jetziges geburtshilfliches Können bei diesem
Rat getrost mit in den Kauf.

0 Vgl. auch das im VI. Kapitel über das Climacterium und Praeclimacteriurt'
Gesagte.
2) Bei sehr großem Unterschied können die Verhältnisse wieder günstiger
liegen: Die Ehe eines älteren (nicht alten!) Mannes mit einer nicht allzu jungeD
Virgo geht erfahrungsgemäß in der Regel sehr gut. Die Erklärung liegt auf der
Hand: die Frau wird sofort an einen gemäßigten Geschlechtsverkehr gewöhnt,
der Gatte kann einen solchen Verkehr lange Jahre in derselben Weise fortführen,
und die Frau weiß es nicht besser.

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