Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

Page: 288
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Da wir bis jetzt den Einfluß von Speisen und Getränken auf
das geschlechtliche Verlangen und Vermögen noch nicht erwähnt
haben, wollen wir uns zunächst kurz damit befassen.
Man kann diesen Gegenstand sehr eingehend behandeln. Das
zeigen gewisse Bücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die sich
ausführlich mit allem beschäftigen, was an Speise und Trank im*
stände ist, die Libido (das Geschlechtsverlangen) zu verstärken,
die Fähigkeit des sexuellen Genießens zu erhöhen und die Potenz
(Leistungsfähigkeit) zu heben. Sowohl die in Europa, namentlich
in Frankreich, erschienenen Schriften dieser Art, wie auch die orien-
talischen, geben nicht allein die Speisen an, die im oben erwähnten
Sinne wirksam sein sollen, sondern auch ihre genaue Zubereitung*
Manche dieser Angaben sind aber schon auf den ersten Blick als
Phantasien zu erkennen, die vorzugsweise in der Symbolik wurzeln.
Diese tritt z. B. stark in den Vordergrund bei der Empfehlung von
Produkten, die aus Orchideen zubereitet sind (Orchis = Hoden).
Es ist aber nicht in Abrede zu stellen, daß auch in dieser Rieh5
tung die Liebeskunst stark zurückgegangen ist und nicht mehr
von allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln denjenigen Gebrauch
macht, den sie, ohne irgend welchen Schaden zu stiften, machen
könnte. Nur ganz ausnahmsweise scheinen Frauen noch geschrie-
bene alte Rezepte von Speisenzusammenstellungen zu besitzen, die
sie in dieser Hinsicht für besonders wirksam halten. (Mir ist
sogar von einem derartigen geschriebenen Kochbuch berichtet
worden, das immer von der Mutter auf die Tochter vererbt wurde.
Ich habe es leider nicht zu Gesicht bekommen können. Der zu-
verlässige, sehr liebeserfahrene und liebesfähige Mann aber, der
mir diese Mitteilung machte, hat nicht nur das Buch oft in Händen
gehabt, sondern, seinen bestimmten Angaben nach, den Effekt
dieser Kochkunst nicht selten auch deutlich erfahren.)
* *
Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß üppige Kost zur
Ausübung der geschlechtlichen Tätigkeit reizt, eine knappe Diät»
mehr noch eine wirkliche Unterernährung, dagegen hemmend auf
die sexuellen Funktionen einwirkt.
Fleischkost reizt, besonders Wildfleisch. Eier haben von altershef
den Ruf, in sexueller Hinsicht besonders zu wirken, sowohl zur
Stimulierung wie als Restaurationsmittel nach großen sexuelle0
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