Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

Page: 301
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/37-1525/0318
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
Kapitel XV
Körperliche Hygiene
Vierter Teil
Der Geschlechtsverkehr unter besonderen körperlichen
Umständen
Geschlechtsverkehr während derMenstruation. Für große
Kategorien von Menschen, für ganze Völker, für die Anhänger
mancher Religionen, gibt es da überhaupt keine Fragestellung. Die
Frau ist während der Menstruation „unrein“ und darf nicht be-
rührt werden. Damit fertig! Wenn auch diese religiöse Vorschrift
für die Völker des Abendlandes keine Geltung hat und nur die
unter ihnen lebenden Juden bindet, so übt doch das Jahrtausende
alte Dogma auch auf uns einen derartigen Einfluß aus, daß die
Enthaltung vom Geschlechtsverkehr während der Menses fast als
Sitte zu betrachten ist. „Fraglich ist es allerdings, ob diese Ent-
haltsamkeit wirklich eine hygienische Notwendigkeit ist, oder ob
wir es nur mit einem uralten, aber irrigen Vorurteil zu tun haben.
Gewichtige Gründe sprechen für diese Anschauung.“ Wenn ein
so ernster und hochstehender Autor wie der leider zu früh ver-
storbene Kossmann sich in dieser Weise ausspricht1), liegt alle
Veranlassung vor, die Frage gründlich und frei von jedem Vorurteil
zu prüfen.
Auch in diesem Falle haben wir dabei wieder psychische und
körperliche Faktoren zu unterscheiden.
Bei der Frau kann der Wunsch nach Geschlechtsvereinigung
während der Menstruation oder während bestimmter Tage dieser
Periode erhöht sein. Der Annäherungstrieb des Mannes kann durch
den menstruellen Zustand der Frau instinktiv gereizt werden.
Zweifelsohne sind dabei verschiedene Motive im Spiel. Ich erinnere
vor allem an das, was wir früher in dieser Beziehung über Geruchs-
eindrücke gesagt haben. Es gibt Männer — vollkommen normale
Männer — bei denen dieser Reiz so mächtig wirkt, daß ihm nur
schwer zu widerstehen ist. Auch ohne Einwirkung eines solchen
Reizes aber drängt schon der Gedanke, daß dieser Zustand ein-
getreten ist, manchen Mann förmlich in die Arme der geliebten

*) In Senator-Kaminers „Krankheiten und Ehe“, 1. Auflage, S. 172.

301
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list