Velde, Theodor Hendrick van de
Die vollkommene Ehe / Velde, Th[eodor] H[endrik] van de ; Eine Studie über ihre Physiol. u. Technik — Leipzig & Stuttgart : Konegen, 1927

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Kapitel XVII
Seelische Hygiene
Hygiene heißt Gesundheitspflege.
Man pflegt die Gesundheit eines Organismus hauptsächlich auf
zweierlei Weise: erstens, indem man seine normale Lebensverrich-
tungen zu vervollkommnen sucht; zweitens durch Bekämpfung von
schädlichen Einflüssen, die ihn bedrohen. Dabei ist zu bedenken,
daß die erreichte Vollkommenheit der Lebensverrichtungen, weil sie
die Widerstandsfähigkeit des Gesamtkörpers verstärkt, wesentlich
zu der Überwindung der sich geltend machenden Schädlichkeiten
beiträgt. So haben denn die Bestrebungen, eine möglichst große
Funktionstüchtigkeit zu erreichen, in der Gesundheitspflege einen
doppelten Wert. Allein, diese Bestrebungen dürfen nicht zu einer
Übertreibung in der einen oder anderen Richtung führen, weil
sonst die Gesamtheit statt Nutzen Nachteil empfinden würde.
Faßt man die Hoch-Ehe eines Gattenpaares als Organismus auf und
betrachtet man diesen zusammen mit dem in der vorliegenden Ab-
handlung Gesagten im Lichte dieser hygienischen Leitsätze, so wird
deutlich, daß wir hier versucht haben, die physiologisch-technischen
Grundlagen zu schaffen, die es ermöglichen, die wichtigste Funktion
dieses Organismus, den Geschlechtsverkehr, zu derjenigen Voll-
kommenheit zu bringen, die ihm wegen seiner fundamentalen Bedeu-
tung zukommt. Wir haben weiter eingehend betrachtet, wie Schäden,
die bei oder als Folge der Ausübung dieser Funktion für die an ihr
Beteiligten entstehen können, zu vermeiden sind, und haben schließ-
lich jedesmal, wenn sich die Gelegenheit bot, darauf hingewiesen,
daß die Vervollkommnung dieser Funktion nicht zu übermäßigen
körperlichen Ansprüchen der Beteiligten oder eines Beteiligten führen
darf. Ebenso haben wir die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß der
Geschlechtsverkehr nur so lange günstig auf die Psyche (Stimmung,
geistigeLeistungsfähigkeit)derGatten einwirkt, als er ihren allgemein-
körperlichen und speziell-geschlechtlichen Kräften entspricht. Doch
wollen wir es an dieser Stelle noch einmal betonen: Ein Zuviel
schadet auch in dieser Hinsicht und beeinflußt besonders den Mann
in ungünstiger Richtung. Eine starke sexuelle Betätigung und in-
tensive intellektuelle Arbeit verhalten sich bei vielen Menschen —
namentlich bei vielen Männern — als Antagonisten, und die beiden,
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