Hinton, A. Horsley
Die Praxis der künstlerischen Photographie / von A. Horsley Hinton — Dresden, 1900

Page: 10
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Verschiedene Standpunkte.
Wenn nun der Mensch, dem die Natur durch das,
was sich Wunderbares in ihr vorfindet oder was die
Wissbegierde erregt und Frage und Nachforschung
erheischt, bewundernswerth erscheint, ein Gemälde be-
trachtet, welches wegen der Unterdrückung der Details
seinem Wunsche nicht entspricht, so kann es sein, dass
er sich gleichgültig von demselben abwendet oder es
als ein Werk der schönen Künste annimmt, an dem er
keinen besonderen Gefallen findet. Ihm ist ein Museum
lieber als eine Bildergallerie.
Wenn dieselbe Person eine Photographie sieht, die
gleichfalls die Einzelheiten der Natur nicht vollständig
wiedergiebt, so wird sie, da sie weiss, dass das Bild
als eine Photographie nach der Natur angefertigt worden
und kein gänzlich imaginäres Werk ist, dasselbe nicht
ohne Berechtigung verwerfen.
Sie sagt: »Hier ist eine Kopie nach der Natur, die
nach einem Verfahren hergestellt wurde, dem die ge-
naueste Wiedergabe möglich ist und die trotzdem nicht
völlig genau ist. Mithin muss sie misslungen sein —
sie ist schlechte
Dabei vergegenwärtigt sie sich nicht, dass dieselben
Beweggründe, die bei der Erzeugung des ihr annehmbar
scheinenden Gemäldes wirksam waren, auch bei der
Anfertigung dieser Photographie die Triebfeder gebildet
haben können. Eine Person, welche beim Betrachten
einer Photographie, in welcher Details und scharfe Um-
risse vielleicht absichtlich gemildert worden sind, um
gewisse Licht- und Schatteneffekte in wirksamer Weise
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