Hinton, A. Horsley
Die Praxis der künstlerischen Photographie / von A. Horsley Hinton — Dresden, 1900

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hervortreten zu lassen, sagt: »Ich kann die Gegenstände
nicht deutlich erkennen; ich möchte das Bild klarer und
schärfer haben« — bekundet unbewusst einen instinktiv
forschenden, inquisitorischen Sinn. Sie sucht nach Marien-
blumen in einer wohlgepflegten Graswiese, aus der die-
selben sorgfältig ausgejätet worden sind, weil sie nicht
erwünscht waren, so hübsch und interessant sie auch
an sich sein mögen.
Ein Bild, d. h. eine malerische Wiedergabe irgend
eines Gegenstandes, ist nicht für Jedermann, sondern
nur für Diejenigen, welche es brauchen; aber der Mensch,
der keinen Werth darauf legt und dem es nicht gefällt,
ist nicht nothwendiger Weise ungebildeter als Derjenige,
dem es begehrenswerth erscheint, wenn er nur sein
mangelndes Verständniss dafür eingestehen und erlauben
will, dass es noch andere Leute giebt, denen das Bild
gefällt. Mit einem solchen Zugeständniss würde sich
Niemand etwas vergeben, wohl aber würde dasselbe be-
weisen, dass der Betreffende auf einer höheren Stufe der
Intelligenz steht, als der Andere, der Alles, was seinem
persönlichen Geschmacke nicht zusagt, blindlings ver-
wirft und lächerlich macht.

Die Anwendung der vorhergehenden
Prinzipien.
Wenn wir nun bereit sind, die vorstehend geäusserten,
sehr toleranten Ansichten zu billigen, so werden wir
auch gegen die Schlussfolgerung nichts einzuwenden
haben, dass es im Hinblick darauf, dass in einer maleri-
schen Wiedergabe lediglich ein persönlicher und indivi-
dueller Eindruck einer Szene angestrebt wird, gestattet
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