Hinton, A. Horsley
Die Praxis der künstlerischen Photographie / von A. Horsley Hinton — Dresden, 1900

Page: 15
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/41-4515/0023
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
15

Praktische Betrachtungen.
Das Motiv.
So wie man oft aus den zufälligen Tintenspritzern,
welche eine auf Papier fallende Feder erzeugt hat, be-
kannte Formen und Figuren zu deuten vermag, ebenso
ist es möglich, dass eine auf’s Geradewohl gefertigte
Photographie gewisse Vorstellungen erweckt und auf die
Einbildungskraft so stark wirkt, als ob diese Wirkung
beabsichtigt und die erzeugte Idee das Motiv und nicht
das zufällige lirgebniss gewesen wäre.
Die Unsicherheit des Verlaufs schliesst aber natürlich
ein Vorgehen dieser Art von ernsthafter Erwägung aus.
Ein Werk, und besonders ein Kunstwerk, kann nur in dem
Maasse als gut gelten, in welchem das Ergebniss eine
Verwirklichung der Absicht ist. Eine Absicht oder ein
Motiv ist daher wesentlich bei der Erzeueune eines
Bildes.
Während das Wort »Bild« für gewöhnlich gebraucht
wird, um die getreue Nachbildung irgend eines Dinges
damit zu bezeichnen, müssen wir es bei der Behandlung
des vorliegenden Gegenstandes in einem bei Weitem be-
grenzteren Sinne auffassen. Ich kann es gar nicht stark
genug betonen, dass in der Kunst ein Bild nicht wesent-
lich oder ausschliesslich eine Wiedergabe gewisser Natur-
gegenstände ist.
Wenn wir ein anerkannt gutes Bild, z. B. ein be-
rühmtes Gemälde, betrachten, so kann es sein, dass uns
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list