Hinton, A. Horsley
Die Praxis der künstlerischen Photographie / von A. Horsley Hinton — Dresden, 1900

Page: 42
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selben die bildmässige Wirkung beeinträchtigen würden.
Wenn Dir aber irgend etwas gefällt, dessen Darstellung
gegen die zu allen Zeiten und von allen Seiten aner-
kannten Kunstgesetze verstösst, dann magst Du es für
Dich zur Erinnerung photographiren, aber erwarte nicht,
dass es ein Kunstwerk werden wird.

Ausdruck und Komposition.
Der Leser wird sich erinnern, dass ich im Früheren
zwei wesentliche Merkmale für ein gutes Bild gefordert
habe, Ausdruck und Komposition. Wir können aus der
uns umgebenden Natur eine Szenerie aüswählen, welche
in Bezug auf Anordnung ihrer Theile, auf das harmonische
Zusammenwirken ihrer Linien und so weiter eine fehler-
freie Komposition bildet, aber die Darstellung wird im
Beschauer kein anderes Gefühl hervorrufen, als die blosse
Anerkennung einer regelmässigen und gutgezeichneten
Kopie eines solchen Naturausschnittes. Sie kann mit
aller Treue die Natur zur Darstellung bringen, aber nicht
im Entfernten jene Gefühle erregen, welche jedes Kunst-
werk deutlich zu uns sprechen lassen soll und muss.
Dagegen können wir uns sehr gut ein Bild vor-
stellen, bei welchem der ausgedrückte Gedanke im Be-
schauer sympathische Gefühle erregt, selbst bei einer
viel weniger vollkommenen Komposition. In der That,
der Gedanke, welchen das Bild zum Ausdruck bringen
soll, muss in so beredter Sprache zum Beschauer sprechen,
dass dieser garnicht darüber nachdenken kann, ob die
Komposition gut ist oder nicht. Selbstverständlich darf
dieselbe nicht so schlecht sein, dass sie unsere natür-
liche Beurtheilung der Zeichnung verletzt oder in auf-
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