Hinton, A. Horsley
Die Praxis der künstlerischen Photographie / von A. Horsley Hinton — Dresden, 1900

Page: 56
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Ton und Atmosphäre.
Die Beispiele, welche wir betrachtet haben, waren
alle dem nahen Vordergründe entnommen. Wenn wir
jetzt unsern Standpunkt verändern und immer weiter
rückwärts wandern, so werden wir finden, dass der
Unterschied in der Beleuchtung, die Kontraste zwischen
Licht und Schatten auf der Landstrasse immer geringer,
immer schwächer werden.
Die dunklen Gegenstände werden heller
und helle werden dunkler in dem Masse,
als wir uns von ihnen entfernen. Es giebt hier-
für natürliche Ursachen, auf welche wir hier nicht ein-
gehen wollen. Es mag nur die Bemerkung genügen,
dass diese Erscheinung eine Folge ist von der grösseren
Menge Atmosphäre, welche zwischen unserem Auge und
dem Objekte zu liegen kommt.
Die Atmosphäre mildert also die Härte der Umriss-
linien, bis zuletzt die Details verschwinden und die
Gegensätze von Licht und Schatten sich in einem gleich-
farbigen Mittelton ausgleichen. Diese Erscheinung giebt
uns das Gefühl der Entfernung. Das Gesagte wird man
bestätigt finden, wenn man an einem gewöhnlichen Tage
über eine weite, ausgedehnte Landschaft sieht. Betrachtet
man dieselbe Gegend aber zum andern Male an
einem besonders klaren Tage, so sind wir erstaunt, wie
gering die Entfernungen, wie nah die Fernen uns er-
scheinen.
Haben wir ein Bild vor uns, bei dem die Ferne all-
mählich in ein zartes Grau verschmilzt und wir setzen in
diese Ferne ein kleines weisses Haus oder malen
einen kleinen dunklen Baum in dieses Grau hinein,
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