Erhard, Theodor
Der elektrische Betrieb im Bergbau: Die Eigenschaften der elektrischen Maschinen und ihre Anwendung in der Grube mit besonderer Berücksichtigung der Betriebssicherheit ; ein Leitfaden für Betriebsbeamte — Darmstadt, 1902

Page: 122
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Zuerst erschienen Vorschriften für sogen. Niederspannung (bis
250 Volt Spannungsdifferenz zwischen irgend zwei Leitungen oder
einer Leitung und Erde) im Jahre 1896, in zweiter wenig veränderter
Auflage 1898. Hierauf folgten im Jahre 1898 die Vorschriften für
Hochspannung (über 1000 Volt) und zuletzt die für Mittelspannung
(über 250 und unter 1000 Volt) im Jahre 1899. Da sich aber wäh-
rend dieser Jahre für Lichtanlagen, welche früher nie höhere
Spannungsdifferenzen als etwa 220 Volt benutzten, aus mancherlei
Ursachen die höhere Spannung von 440 bis 500 Volt einzubürgern
anfing, so sind Ende 1901 neue Vorschriften für die Errichtung
von Starkstromanlagen vom Verband erlassen worden, welche für
Anlagen gelten, bei denen die effektive Gebrauchsspannung zwischen
irgend zwei von der Erde isolirten Leitungen 500 Volt nicht über-
schreitet und gleichzeitig die Spannung zwischen irgend einer Lei-
tung und Erde nicht über 250 Volt geht.
Aehnliche Vorschriften sind auch in anderen Ländern aufg-estellt
worden, in der Regel in etwas kürzerer Form, aber mit ähnlichem
Inhalt. Dass dabei die Zahlenwerthe z. B. über Drahtquerschnitte,
Isolationsschichten u. s. w. etwas verschieden ausgefallen sind, ist bei
der immerhin kurzen Zeit, aus welcher Erfahrungen ausgedehnter Art
vorliegen, nicht zu verwundern.
Speciell bergmännische Vorschriften sind auch ausserhalb
Deutschlands als unbedingt bindend noch nicht erlassen worden,
es liegt aber aus Belgien ein ausführlicher Bericht*) vor, welchen
eine im Jahre 1893 eingesetzte Elektricitätscommission, bestehend
aus den schon früher genannten Herren Roberti-Lintermans, Libert,
Discry und Derclaye, im Jahre 1894 an den Generaldirector der
Bergwerke erstattet hat.
In diesem Berichte sind in grosser Ausführlichkeit Vorschriften
zusammengestellt, welche für die Anwendung der Elektricität beim
Bergbau empfohlen werden. Sie sind zwar nicht ausdrücklich als
bindend bezeichnet, da aber elektrische Anlagen beim Bergbau auch
in Belgien der Genehmigung durch die Bergbehörde bedürfen, und
diese sich an die Vorschläge des Berichtes hält, so ist die Bedeutung
der Vorschriften genau so, als seien sie bindend.

*) Annales des travaux publics de Belgique. Bd. 52 Heft I. 1895. Uebersetzt
von Ileise in der Zeitschrift für Bergrecht. Bd. 37. 1896.
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