Darmstadt, der Odenwald, die Bergstrasse und die Main-Neckar-Eisenbahn: ein Handbuch für Reisende — Darmstadt, 1846

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AUSFLÜßE VON DARMSTADT.

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einige Jahrhunderte alte Linde. Die Aussicht nach dem
Rhein und Main hin erstreckt sich liier sehr weit. Im
Burghöfe befindet sich ausser der Försterswohnung ein
alter, tiefer Brunnen. Die Trümmer des Mauerwerks
lassen sich jetzt leicht besteigen, seit überall für die
Bequemlichkeit des Publikums hier gesorgt ist. Das
Schloss Frankenstein, einst sehr stattlich, litt im dreis-
sigjährigen Kriege und kam zuletzt 1662 durch Kauf
an Hessen. Die Gcognostcn finden auf diesem Berge
Merkwürdiges. Für den Freund der Alterthumskunde
ist zunächst die Sage vom Drachenbrunnen und Ritter
Georg zu erwähnen. Das Brünnchcn liegt auf dem
Wege nach Beerbach und gibt den Bewohnern der
Ruine ein frisches, gutes Wasser. Hier soll der
Drache gehaust haben. Grimm erzählt die Sage so:
Was flüchten die Hirten mit .Jammergeschrei
, Was scheuchet die Heerde von dannen?
Zieb’n feindliche Schämen gcwafl'nct vorbei.
Mit Ritter ujid Rossen und Mannen?
Nicht Ritter und nicht Ross
Zieht feindlich nach dem Schloss;
Der Lindwurm kam aus der Hüle vor,
Und sonnet sich drunten im feuchten Moor.
Zerrissen schon hat er mit giftigem Zahn
Die weidenden Lämmer und Rinder;
Packt Ross und packt Reiter und weidet sich dran,
Verschlinget die spielenden Kinder.
Verödet liegt das Feld,
Wo bleibt und weilt der Held,
Sich kühn dem Tod für’s Volk zu weih’n ?
Was zögert ihr Ritter von Frankenstein?
Der waffnet sich stattlich und walTnet sich gut,
Der Ritter mit Hammer und Schwerdte,
Gern opfr’ ich dem Volke mein Leben und Blut,
Das isl’s, was ich stets ja begehrte,
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