Dilthey, [Julius Friedrich] Karl
Die Ludewigssäule als architektonisches Kunstwerk. — Darmstadt, 1845

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Die Iiiidcwlgssäiilc,
ALS
ARCHITEKTONISCHES KUNSTWERK.

Da trugen die Strassen Kunstwerke, ähnlich den Lebenden und
Einherwandelnden, und es erscholl davon ein grosser Huf.
Pindar.

Verehrte Anwesende !

Seit einem Jahre sind die Jubeltöne verklungen,
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mit deren festlichem Chor die Liebe des Volkes dem zwei-
ten Begründer unseres Staates ein Denkmal weihte, und nur
das Echo davon ist in unsern Herzen zurückgeblieben
auf dass es in ihnen widerhalle von Geschlecht zu Ge-
schlecht. Lag es in der Entstehung und Bedeutung jenes
Festes, dass patriotische Empfindungen und Gefühle jedes
sonstige Moment der Reflexion überwogten, so dürfte es
vielleicht nunmehr an der Zeit sein, auch diese hervor-
treten zu lassen und ihren harmonischen Einklang mit
O
jenen im künstlerischen Bewusstsein darzulegen. Zwar ist
die Kritik nur die dienende Zofe, welche ihrer Gebieterin,
der schaffenden Geisteskraft, die Schleppe nachträgt, doch
darf sie das bescheidene Verdienst sich beimessen, die
Ideen der geistigen Conception zu erläutern und die von
ihr erzeugten Musterformcn unter das Gesetz der Schön-
heit zu subsumiren. Dass dieses Bestreben, auf unser
Denkmal angewendet, nicht ein ganz gehaltleeres post
festum sein werde, dies dürfte schon unsere eigne Er-
innerung verbürgen.
In der Zeit, wo die Errichtung des Ludewigsdenk-
O O
mals die allgemeinste Theilnahme in unsern Kreisen er-
regte, und vielfältige Pläne zur Ausführung desselben
vorgelegt und besprochen wurden, war unter diesen
vielleicht keiner, der von Seiten des grösseren Publicums
eines geringeren Beifalls sich erfreute, als gerade der,
welcher wirklich zur Ausführung gekommen ist. Als man

vernahm, dass eine thurmhohe Säule das Bild des ge-
feierten Fürsten tragen sollte, äusserte sich fast durch-
gehends die Meinung der Mehrzahl dahin, dass dasselbe
gleich den auf dem Söller eines hohen Thurmes wandeln-
den Menschengestalten wohl nur einen winzigen Eindruck
machen würde, und vielfältig sprach sich ein Bedauern
darüber aus, dass man die geliebten Züge des Fürsten,
dem man so gern, wie einst im Leben, aus der Nähe
ins Angesicht geschaut hätte, nunmehr kaum den Blicken
erreichbar, hoch in den Lüften verseilwimmend, mühsam
erspähen sollte. Glücklicher Weise huldigten die an die
Spitze gestellten Leiter des Unternehmens der Ansicht,
dass das Urtheil des Volkes weder eine vox Dei noch
eine vox diaboli sei; sic erkannten, dass die gemüthliche
Seite jenes Arguments ihren hohen sittlichen Werth habe,
der alle Strahlen der Volksgesinnung wie in einen Brenn-
punkt der Liebe zusammendrängte, aber sie zweifelten
darum nicht, dass auch in dieser Beziehung die Idee des
genialen Künstlers J allen Anforderungen entsprechen wür-

') Herr Oberbaudirector Möller, dessen Name durch seine
Denkmäler der deutschen Baukunst wie durch die von ihm
au Geführten Bauten für Literatur und Kunst unserer Zeit
so bedeutungsvoll geworden ist, hat die Gefälligkeit gehabt,
sich hierüber in folgender Weise zuäussern: „Der Wunsch,
den hohen Hegententugenden des Grossher/.ogs Ludewig L
ein Denkmal der Liebe und Dankbarkeit zu errichteu, war
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