Kapp, Ernst
Grundlinien einer Philosophie der Technik: zur Entstehungsgeschichte der Cultur aus neuen Gesichtspunkten — Braunschweig, 1877

Page: 78
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Apparate und Instrumente.

brachten Babylonier, Aegypter und Griechen es so weit,
dass sie nacli geometrischen Formen, welche sie sich in
das Firmament gezeichnet dachten, die Entfernungen der
Gestirne sowie der Erdtheile von einander zu berechnen
vermochten. Und so weit brachte es die sinnliche Wahr-
nehmung schon vor Jahrtausenden, nur mittels des Auges
und mittels langer Röhren, womit man ehemals die Sterne
beobachtete, wie wir etwa Gemälde auf dem Museum durch
Pappröhren ansehen.“ (Der vorgeschichtliche Mensch,
pag. XV.)
Diese Röhren waren nichts Anderes als die mechanische
Fortsetzung der röhrenartig geformten Hand, welche jeder
%
Mensch unwillkürlich in Ermangelung einer anderen Blende
vor das Auge hält. Die Handblende selbst aber ist zu
allernächst eine Verstärkung der natürlichen Beschattungs-
vorrichtungen am und im Auge. Jene die krumm gefin-
gerte Hand verlängernde Röhre war das primitivste Fern-
rohr, dessen Vervollkommnung erst mit der Erfindung
des Glases und der Kunst es zu schleifen weiter von
statten ging.
Bis dahin hatten schon im Alterthum Zufälligkeiten
auf die Wahrnehmung geführt, dass durch sphärisch ge-
formte Stückchen durchsichtigen Glases kleine Körper
vergrössert erschienen. J. Zöllner erwähnt in seiner Ge-
schichte der Physik (Buch der Erfindungen II, 274), dass
Seneca die vergrössernde Eigenschaft mit Wasser gefüllter
Glaskugeln kannte. Die feinen Arbeiten alter griechischer
Steinschneider Hessen die Beihülfe von vergrössernden
Gläsern vermuthen, die ausgegrabenen ,,L i 11s en“ könnten
aber auch ausschliesslich als Brenngläser gedient haben,
da die Vestalinnen das heilige Feuer nur durch Sonnen-
licht wieder anzünden durften. Der Araber Alhazen um
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