Schmitt, Eduard
Vorträge über Bahnhöfe und Hochbauten auf Locomotiv Eisenbahnen / von Eduard Schmitt (Die Anlage der Bahnhöfe) — Leipzig, 1873

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Ecken der einzelnen Gebäude gleichfalls durch Pfähle oder auch durch Stangen bezeichnen,
ferner die Drehscheiben, Perrons und Rampen ahstecken, und endlich auchdie Richtung,
beziehungsweise die Axen der unterirdischen Canal- und Röhrenleitungen fixireu.
Schon während des Ahsteckens und bisweilen auch noch zu Anfang der darauf .
folgenden Arbeiten muss man auf die Errichtung der Bauhütte bedacht sein. Man
erbaut dieselbe im Niveau des künftigen Bahnhofes und an solcher Stelle, dass selbe
aucli noch einige Zeit nach Vollendung des Bahnhofes, und unbeschadet der Eröffnung
des Betriebes auf demselben, stehen bleiben kann.
Nunmehr wird mit der Fundirung der Gebäude, mit der Herstellung der Reini-
gungsgruben und der Gruben für die Drehscheiben begonnen; es wird zur Herstellung
des Tagmauerwerkes und zur endlichen Vollendung der Gebäude geschritten. Gleich-
zeitig werden auch die unterirdischen Mauerwerkskörper und Communicationen hergestellt,
und wird, während die Gebäude ihrer Vollendung entgegen gehen, das Legen der
Geleise ganz in derselben Weise vorgenommen, wie dies auf freier Bahn geschieht.
Schliesslich werden noch die verschiedenen Nebenobjecte, als: Signalvorrichtungen,
Stossgcrüste, Distanzpfähle, Gascandelaber etc. errichtet.

Anmerkung. Stationes, deren Juvenal in seiner neunten Satire, V. 4, erwähnt, waren ur-
sprünglich Römische Gassenplätze, wo das Volk auf den Strassen, namentlich des Abends, in grösseren
Gruppen beisammen stand und allerhand besprach. Später bezeichnete man mit diesem Namen jene
Stellen der Botenanstalten, wo man einen Wechsel des Beförderungsmittels vor sich gehen liess, um
eine erhebliche Beschleunigung durch solchen stationsweisen Transport zu erzielen. Der cursus publicus,
auch vereda publica, res veredaria, war eine Staatsverkehrsanstalt, welche die Beförderungen stations-
weise mit Wechsel der Transportmittel, zu Fuss, zu Pferd oder Wagen, sowohl für Versendungen als
auch für Reisen wahrzunehmen hatte. Jeder Curs war in bestimmte Stationen (posita statio, zusammen-
gezogen poststatio) getheilt; sie führten auch die Namen mansiones und mutationes. Die mansiones
waren je eine Tagereise von einander entfernt, und eine jede solche Entfernung war in 6 bis 8 muta-
tiones eingetheilt. Die mansiones (entsprechend unseren Ilauptstationen) wurden, wenn es irgend anging,
an den grösseren Orten errichtet; jedenfalls traf man dort genügende Vorkehmngen zur Verpflegung und
zum Nachtquartiere; das Reisen bei Nacht wurde begreiflicher Weise möglichst vermieden. Die man-
siones waren zugleich darauf berechnet, dass durchmarschirendo Truppenabtheilungen daselbst Nacht-
quartier, Proviant und Fourage vorfanden. Die mutationes (unseren Zwischen- und Nebenstationen ent-
sprechend) waren in früherer Zeit weiter auseinandergelegt, als später. Der Pferdebestand auf jeder
Station war im Durchschnitte auf ca. 40 Stück, für belebtere Routen auf mehr, für minder belebte auf
weniger, festgestcllt. Nur eine bestimmte Zahl derselben war für die im Orte selbst beginnenden Reisen
und Beförderungen (für den Localverkehr) verfügbar; die übrigen mussten für den durchlaufenden Ver-
kehr (für den Transitverkehr) bereit gehalten werden.

Einige Literatur
über Bahnhofsanlagen im Allgemeinen
(zugleich Quellenvorzeicliniss zur Einleitung).
Basson, W. Die Eisenbahnen im Kriege.
Bazaine et Chaperon. Chemins de fer d’Alsace.
Becker, M. Handbuch der Ingenieurwissenschaft. 3. Band. Der Strassen- und Eiseu-
bahnbau in seinem ganzen Umfange.
Etzel, C. v. Oesterreichische Eisenbahnen. Band I. Bl. tl.
Schmitt, Bah&höl'e und Eisenbahn-Hochbauten. I.

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